„Die meisten Glaubenslehrer verteidigen ihre Sätze, nicht weil sie von der Wahrheit derselben überzeugt sind, sondern weil sie diese Wahrheit einmal behauptet haben“ (Georg C. Lichtenberg, Physiker, 18. Jhdt.)

„Wenn Freiheit überhaupt etwas zählt, dann als Recht, den Menschen Dinge zu sagen, die sie nicht hören wollen.“ (George Orwell, Schriftsteller, Autor von „1984“)

„Nicht das Leben als solches will unsere politische Gemeinschaft um jeden Preis schützen, sondern das Leben in Würde. Daraus ergibt sich das Recht, in einer Gesellschaft zu leben, die anders aussieht als die von Nordkorea“ (Uwe Volkmann, Rechtsphilosoph, FAZ 1.4.2020)

 

Meine Absicht ist es, zu zeigen, dass es auch kritische Stimmen zum politischen Management der Coronakrise gibt, unter anderem von Juristen, renommierten Wissenschaftlern und unerschrockenen Journalisten. Die Erzählung, die uns die Politiker und das Gros der Medien gegenwärtig bieten, ist nur eine der möglichen Versionen.

Der Kern der Demokratie ist der Diskurs. Nur er hält die Gesellschaft zusammen. Wird er verweigert, und werden Andersdenkende ignoriert oder verunglimpft, dann zerfällt sie. Dies ist in der Coronakrise zu beobachten.

Der Kern aller Wissenschaftlichkeit ist der Zweifel. Wahrheit ist keine wissenschaftliche Kategorie. Zweifel sind erlaubt, wenn es um einschneidende und folgenreiche Maßnahmen geht, die auf Grund unzureichend belegter Annahmen verordnet werden – oder, wie es der Medizinrechtler Prof. Dr. Peter Gaidzik ausdrückt:  „Würde man sagen, ,Wir wissen nicht, ob es etwas bringt‘, würde das der vorhandenen Datenlage entsprechen“ (wa.de 6.7.2020).

Beunruhigend sind vor allem die Langzeitfolgen der Pandemie-Politik:

  • Wir fügen unseren Kindern Schaden zu, in dem wir bei ihnen Angst und Schuldgefühle erzeugen, ihnen Abstandsregeln, Waschrituale, Masken und Quarantäne bis hin zur Isolation innerhalb der Familie aufzwingen und ihnen das Recht auf uneingeschränkte Kommunikation und Bildung nehmen.
  • Die mit Bedacht erzeugte und aufrechterhaltene Panik begünstigt ein Klima von Aggressivität, Denunziation, Entsolidarisierung und Respektlosigkeit gegenüber Andersdenkenden. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist gefährdet.
  • Weltweit verursachen Lockdowns und Rezession eine Wirtschafts- und Hungerkrise von schrecklichem Ausmaß. Die Folgen sind wesentlich gravierender als die Auswirkungen der Coronakrankheit.
  • Es zeichnet sich eine autoritäre Überwachungspolitik ab, die unsere Freiheitsrechte bedroht. Das Vorhaben, den Coronavirus auszurotten, trägt die Saat des Totalitarismus in sich – und ist dennoch zum Scheitern verurteilt.

Wenn wir unsere Lebensqualität und Demokratie bewahren wollen, müssen wir mit dem Coronavirus auf irgendeine Weise unseren Frieden schließen. 

Es ist an der Zeit, den Weg einzuschlagen, den Schweden gegangen ist: Ohne Schließungen, Maskenpflicht und Quarantäne, sondern nur mit freiwilligen Abstandsregeln. Ohne Überwachung und Bußgelder, ohne Diffamierung und Denunziation, ohne Vertrauensverlust und gesellschaftliche Spaltung, sondern mit Offenheit in der Politik, demokratischem Miteinander und gegenseitigem Vertrauen.

In Schweden gibt es keine Panik, und kein Heraufbeschwören der zweiten Welle. Seit Anfang Juli sinkt die Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich. Ende Juli gab es nur noch einzelne Todesfälle, und kaum noch Patienten auf den Intensivstationen. Der Ansteckungswert lag bei 0,6 (Focus 3.8.2020, FOHM)

Für künftige „epidemische Lagen von nationaler Tragweite“ wünscht man sich eine Selbstverpflichtung der Regierenden, wie sie David McCoy, Professor für globale öffentliche Gesundheit an der Queen Mary University in London, in seinem „Corona-Manifest“ skizziert hat (Medico 29.4.2020).

Hier findet man Sätze wie:
– Wir werden die Freiheit nicht opfern und wir werden die Demokratie schützen… Wir werden den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit respektieren und wachsam gegenüber der Gefahr sein, dass die gegenwärtige Krise zu einer dauerhaften Verschiebung in Richtung Autoritarismus und aufdringlicher Überwachung führen könnte…
– Wir werden uns nicht nur von Experten*innen für Infektionskrankheiten leiten lassen, sondern auch von Ökonom*innen, Sozialwissenschaftlern*innen, Ethiker*innen, Jurist*innen und Philosoph*innen, so dass wir eine ganzheitliche Antwort auf diese komplexe Herausforderung geben können….
– Wir werden nicht von oben herab mit den Menschen reden… 
– Wir werden dafür sorgen, dass die Kosten von Covid-19 nicht zu einer noch größeren Ungleichheit von Reichtum und Macht führen, sondern eine Gelegenheit bieten, für eine Umverteilung des Reichtums zu sorgen….

 

Update 9.8.2020 (kürzliche Aktualisierungen jeweils in blauer Farbe):

Die Pandemie ist vorbei

Das Coronavirus SARS-CoV2 hat unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft radikal verändert. Für viele gleicht das einem nicht endenwollenden Albtraum. Nun ist die Pandemie vorbei. Die  Neuinfektionen gehen zurück und verschwinden im Grundrauschen (worldometers Germany). Viele Landkreise registrieren keine Neuinfektionen mehr, Todesfälle gibt es so gut wie nicht mehr (RKI 2020). Selbst in Bayern finden sich trotz gigantischen Testaufwands (wer soll das überhaupt bezahlen?) kaum noch Neuinfektionen: Die Rate liegt unter den Getesteten bei 0,5 bis 1 Prozent. Eine Rate von 0.5 Prozent fand man auch im April 2020 beim Krankenhauspersonal der Charité (Tagesschau 21.7.2020, Dtsch Ärztebl 13.5.2020).

Wahrscheinlich geht es gar nicht tiefer, denn 0,5 Prozent liegt schon in der Höhe der fehlerhaft positiven PCR-Befunde und könnte damit in etwa der Nulllinie entsprechen (Rabe 21.7.2020, Matheeussen 9.7.2020). Falsch positive Testergebnisse werden mit Rückgang der Infektionszahlen ein zunehmendes Problem, denn dann werden sie prozentual bedeutender. Sie kommen zustande durch Mess- und Laborfehler (hs 23.6.2020, multipolar 21.6.2020).

Ein noch gravierenderer Fehler wird durch unbedeutende Virusbruchstücke verursacht, die bei den extrem empfindlichen Tests gefunden werden. Während intakte und infektiöse Viren nur maximal neun Tage nach einer Infektion ausgeschieden werden, lassen sich ihre Bruchstücke noch nach zwei bis drei Monaten aufspüren (Mayer 31.7.2020, Cevik 29.7.2020).

Aus dem Nachweis von Corona-RNA durch die gängigen Tests kann nicht auf Infektiosität geschlossen werden. Quarantänemaßnahmen sind somit rechtlich fragwürdig (Cevik 29.7.2020).

Aus demselben Grund sind auch ungezielte Massentests, wie sie jetzt in Bayern und Österreich angeboten werden, ungezielter Unsinn (Tageschau 29.6.2020, Standard 25.7.2020). Sie führen zu scheinbar steigenden Infektionszahlen, halten das Panikniveau hoch und machen die Pandemie unsterblich – und die Einschränkungen auch.

Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene wird der Spielraum wieder zunehmend eingeengt: Räumungen und Betretungsverbote von öffentlichen Parks (AZ 30.7.2020), Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen (BR 29.7.2020), Maskenpflicht und Abstandsregeln an den Schulen (Merkur 31.7.2020), Online-Vorlesungen ohne soziales Leben an den Unis, die Infragestellung von Reisefreizügigkeit (SZ 31.7.2020).

Die meisten Menschen haben eine gute natürliche Immunität und sind für das SARS-CoV2-Virus nicht empfänglich. Die nötige Durchseuchung für eine Herdenimmunität liegt daher nicht bei 50 bis 70%, wie es im März noch hieß, sondern eher zwischen 7% und 25% (Lewis 10.5.2020, Gomes 21.5.2020). Virologen wie Hendrik Streeck fordern mehr Mut für den weiteren „Aufbau einer Teilimmunität“, denn wir müssten uns darauf einstellen, mit dem Virus zu leben (gmx.net 7.6.2020).

Sehr bemerkenswert in einer Zeit, in der es nur die eine, immer wieder verkündete offizielle Linie zu geben scheint, nämlich: Abstand halten, Masken tragen und auf Grundrechte zu verzichten bis ein Impfstoff kommt und das Virus ausgerottet ist (Tagesschau 17.6.2020, dw 18.7.2020). EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat das noch getoppt mit der vollmundigen Ansage: „Wir werden diese Pandemie erst dann beenden, wenn sie überall beendet ist. Und das bedeutet, dass jeder Mensch auf der Welt Zugang zu Tests, Behandlungen und Impfstoffen hat“ (Dtsch Ärztebl 29.6.2020). Chef Lothar Wieler sekundiert mit der geradezu alttestamentarisch anmutenden Warnung: „Das alles geschieht nur, weil wir Menschen uns nicht an die Regeln halten… Diese dürfen nie in Frage gestellt werden“ (SZ 28.7.2020).

 

Die „zweite Welle“?

Gelegentlich aufflackernde kleinere „Infektionsherde“ oder schwankende Infektionszahlen auf niedrigem Niveau sind charakteristisch für das Endstadium von Pandemien. Sie werden aufgedeckt durch umfangreiche Testungen in der Umgebung von Zufallstreffern bzw. künstlich erzeugt durch eine massive Ausweitung der Testungen – beispielsweise von ca. 50’000 täglich Mitte Juni auf 82.000 täglich Anfang August 2020 (S. 12 in RKI 5.8.2020). Bis zu 150’000 Tests sind machbar. Die zweite Welle.

Von „Erkrankten“, wie es in Presseartikeln und Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts heißt, kann bei den allermeisten positiv Getesteten keine Rede sein. Gesunde Kindergarten- und Schulkinder werden auf Grund positiver Testbefunde bei gesunden Kontaktpersonen nach Hause geschickt oder in Quarantäne gesteckt (Merkur 24.6.2020). Inzwischen werden wegen einzelner Testbefunde sogar ganze Schulen geschlossen, die Kinder und die Lehrer in Quarantäne geschickt (NDR 7.8.2020). Flüchtlingsheime werden wegen einzelnen Positivbefunden abgeriegelt und die Menschen in Unsicherheit gelassen. In einem Ankerzentrum wurden 580 Geflüchtete sogar acht Wochen lang isoliert (SZ 3.7.2020, BR 18.5.2020). Von den 96 positiv Getesteten auf einem bayerischen Spargelhof hatte kein einziger irgendwelche Krankheitssymptome (Merkur 19.6.2020). Von den 174 positiv getesteten Erntehelfern in Mamming wurde nur einer stationär behandelt (RTL 27.7.2020). In der westfälischen Fleischfabrik Tönnies wurden im Juni 2020 über 1900 Arbeiter positiv auf SARS CoV2 getestet; nur 21 (= 1,1%) von ihnen wurden stationär behandelt (Focus 23.6.2020).

Viele hochkarätige Wissenschaftler halten die von manchen Virologen und Politikern beschworene zweite Krankheitswelle für unwahrscheinlich (z.B. Kuhbandner 26.4.2020, Lewis 10.5.2020; Ioannidis 19.5.2020, Walach 22.5.2020, Schrappe 29.06.2020, Streeck 5.8.2020). Für Gerd Antes, ehemaliges STIKO-Mitglied, gehört sie „zu den Bildern, die genutzt werden, um Angst zu schüren“ (Badische Zeitung 23.5.2020).

Die Spekulation von Politikern und Virologen auf die „zweite Welle“ ist sowieso keine hinreichende Begründung für die Fortsetzung des Ausnahmezustands: Der Schutz des Lebens ist kein „grundrechtlich handhabbares Ziel, wie es der Verfassungsrechtler Oliver Lepsius formuliert. Aus verfassungsrechtlicher Sicht dürfen die bürgerlichen Freiheiten nicht eingeschränkt werden, um ein Virus zu bekämpfen oder auszurotten, sondern höchstens zu dem Zweck, eine Überforderung des Gesundheitssystems zu vermeiden, also für die „kapazitätsgerechte Steuerung des Pandemieverlaufs“ (Lepsius 6.4.2020). Und eine Überforderung ist nicht in Sicht – im Gegenteil, durch die „Freihaltepauschale“ des Bundes stehen 11000 Intensivbetten leer (BR 28.5.2020, Tagesspiegel 23.6.2020, SZ 26.6.2020).

Oliver Lepsius schreibt weiter,  dass Grundrechtseingriffe ständig beweispflichtig sind, und dass uns die Regierungspolitiker diesen Beweis schuldig bleiben. „Der Rechtsstaat ist schwer beschmutzt. Die rechtsstaatliche Hygiene muss dringend wieder hergestellt werden, sonst droht hier das größte Infektionsrisiko“ (Lepsius 6.4.2020).

Das SARS-Virus lässt sich nicht mit irgendwelchen Maßnahmen zum Verschwinden bringen – seien es durch Massentests, Apps, Impfungen, Quarantäne, Gesichtsmasken, Händehygiene oder Abstandsregeln. Auch von der WHO kommt die Botschaft: Man werde in absehbarer Zukunft nicht in der Lage sein, das Virus auszurotten, „wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“ (Tagesschau 24.7.2020). Es wird sich in die große Gruppe der Erkältungsviren einreihen, die jedes Winterhalbjahr durch das Land ziehen (BZ 10.7.2020, Streeck 5.8.2020).

Nach Einschätzung der WHO wird es auch keine „zweite Welle“ geben, sondern die erste Pandemiewelle wird von „langwieriger Dauer“ sein. Sie sei ein „öffentlicher Gesundheitsnotfall von internationaler Bedeutung… , deren Auswirkungen bis in die kommenden Jahrzehnte zu spüren sein werden“ (FAZ 2.8.2020). Selbst wenn sich dieses spekulative Szenario bewahrheiten sollte – es ist unwahrscheinlich, dass die Menschen die derzeitigen Einschränkungen, die Hygieneregeln, die Überwachung, die Aussetzung der Grundrechte über Jahre oder Jahrzehnte tolerieren.

Wir müssen jetzt die Scherben zusammenkehren und alles tun, um unsere demokratischen Freiheitsrechte, unser soziales Leben, unsere Lust am Leben wieder zu gewinnen und eine schwere wirtschaftlichen Rezession zu vermeiden. Der Anfang ist mit den sogenannten „Lockerungen“ gemacht, die durch den Druck der Bürger und der Gerichte durchgesetzt wurden. Diese Lockerungen sind, wohlgemerkt, kein gnädiges Entgegenkommen, sondern wiedererkämpfte Grundrechte.

Das Parlament hätte schon seit Wochen  die Pflicht, dem Bundesgesundheitsminister die Ermächtigung wieder zu entziehen, den Ausnahmezustand zu beenden und den Grundrechten wieder Geltung zu verschaffen.

Anordnungen müssen zu Empfehlungen umgewandelt, Bussgeldandrohungen müssen aufgehoben werden. Testungen sollten auf Risikogruppen beschränkt werden. Kindergärten, Schulen, Theater, Kinos und gastronomische Betriebe sollten wieder bedingungslos geöffnet werden.

 

Die COVID-19-Erkrankung: Risiken überschätzt

Die Krankheit COVID-19 (= Corona Virus Disease 2019), die das Virus SARS CoV2 verursacht, ist in der Ansteckungsrate und im Krankheitsbild vergleichbar mit einer Influenza, nur sind die Verläufe bei Kindern und unter 65jährigen Erwachsenen harmloser, bei sehr alten Menschen mit gravierenden Grunderkrankungen dagegen schwerer (Ioannidis 19.5.2020, Medscape 15.7.2020). Der Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel zog nach der Obduktion von etwa Hundert mit Corona-Befund Gestorbenen die Bilanz: „Covid-19 ist eine ernste, aber keine besonders gefährliche Erkrankung“ (Focus 24.4.2020). Sie stellt nach Ansicht prominenter Gesundheitsexperten „keinen Anlass dafür dar, in quasi metaphysischer Überhöhung alle Regeln, alles Gemeinsame, alles Soziale in Frage zu stellen oder sogar außer Kraft zu setzen“ (Schrappe 3.5.2020).

Das Coronavirus wird hauptsächlich über Atemtröpfchen übertragen. Die Ansteckungsraten sind gering: Selbst bei engem Kontakt mit infektiösen Patienten stecken sich nur fünf Prozent an. Bei ungeschütztem medizinischen Personal sind es sogar weniger als drei Prozent (Dtsch Ärzteblatt 14.7.2020).

Wahrscheinlich ist ein großer Teil der Bevölkerung von vorneherein immun durch frühere Kontakte mit Coronaviren und durch ein robustes Abwehrsystem auf den Schleimhäuten. Immunologen sprechen von „dunker Materie“, also einer Immunität, die man durch die üblichen Antikörpertests nicht nachweisen kann (n-tv 24.4.2020, Tagesanzeiger 1.6.2020, Guardian 7.6.2020). Sie ist unter anderem bedingt durch Abwehrzellen  – T-Zellen – gegen Coronaviren, die bei über 80 Prozent der Bevölkerung nachweisbar sind und auch gegen SARS CoV-2 gerichtet sind (Mayer 1.8.2020).

Nach Kontakt mit SARS CoV2 entwickeln daher 80 bis 90 Prozent der Menschen keinerlei Beschwerden (Science 16.3.2020; BMJ 2.4.2020). Eine der wenigen großen Querschnittsstudien mit über 21’000 Teilnehmern wurde in Delhi/Indien durchgeführt. Bei jedem vierten wurden SARS CoV2-Antikörper gefunden – das sind hochgerechnet mehr als 4,5 Millionen Infizierte, die davon nichts wissen (Dtsch Ärzteblatt 22.7.2020). Positiv getestet waren im selben Zeitraum 123’000 Menschen bei 3600 gemeldeten Todesfällen.

Wer nicht erkrankt, ist auch nicht ansteckend. Allerdings können Infizierte schon am Tag vor dem Krankheitsausbruch das Virus weitergeben (Presseportal 11.6.2020). Bei engem Kontakt zu Risikopersonen, etwa bei AltenpflegerInnen, machen daher routinemäßige und wiederholte Virustestungen Sinn.

Im Freien ist das Ansteckungsrisiko wesentlich reduziert (Nishiura 16.4.2020). Selbst nach Massenveranstaltungen wie der Anti-Corona-Demo in Stuttgart oder den Anti-Rassismus-Demonstrationen in Hamburg und München kam es zu keiner Zunahme der Erkrankungszahlen (DLR 18.7.2020).

Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben unterprivilegierte Menschen unter Lagerbedingungen: Flüchtlinge, Strafgefangene, Obdachlose oder Billiglohnarbeiter in Sammelunterkünften etwa von Schlachthöfen oder Gärtnereibetrieben (Ioannidis 19.5.2020; SZ 21.5.2020). In überfüllten, schlecht gelüfteten Räumen entsteht eine besonders hohe Viruskonzentration.

Bei 10 bis 20 Prozent der Infizierten kommt es zu einem „grippalen Infekt“ mit Krankheitsgefühl, Fieber und Husten. Typischerweise  ist dies begleitet von einem Geruchs- und Geschmacksverlust, oft auch von Kopfschmerzen. Die meisten Menschen, auch die Mehrzahl der alten Menschen, überwinden die Infektion schnell und komplikationslos, wie Reihenuntersuchungen im Skiort Ischgl belegen (Tagesschau 25.6.2020). Manche Patienten klagen noch mehrere Wochen über Restsymptome wie Kurzatmigkeit oder Müdigkeit.

Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten erkrankt schwer. Die typische Komplikation ist die Lungenentzündung mit Husten und Kurzatmigkeit. Die Infektion kann auch zu Blutgefäßentzündungen oder Lungenembolien führen und dadurch den Sauerstofftransport in die Lunge stören und das Herz belasten (DÄ 20.4.2020, scinexx 24.4.2020). Eine stärkere Atemnot erfordert intensivmedizinische Behandlung mit Sauerstoffgaben, Infusionen, Blutverdünnung und als äußerste Maßnahme künstliche Beatmung, die jedoch die Situation auch verschlechtern kann. In den ersten Wochen der Epidemie wurde viel zu früh beatmet, was die Sterblichkeit signifikant erhöht hat.

 

Menschengemachte „Übersterblichkeit“

Das Risiko, an einer SARS-CoV2-Infektion zu sterben, liegt nach der Übersichtsarbeit von Prof. John Ioannidis bei 0,02 bis 0,4 Prozent (Ioannidis 19.5.2020) und damit  in der Höhe einer saisonalen Influenza. Bei unter 30jährigen liegt die Sterblichkeit von COVID-19 praktisch bei Null. Auch Schwangere und ihre Kinder haben kein erhöhtes Risiko. In Deutschland ist bisher nur ein Kind unter 10 Jahren mit COVID-19-Diagnose gestorben – eine Dreijährige unter immunsuppressiver Behandlung (WDR 22.7.2020). In den USA starben bis Mitte Mai 2020 trotz ausgedehnter Grippeimpfprogramme sieben Mal soviel Kinder an Influenza wie an COVID-19 (Bhopal Publ Health 2020).

Tödliche Verläufe betreffen nahezu ausschließlich pflegebedürftige sehr alte Menschen, meist solche die stark übergewichtig sind und unter schweren chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Raucherbronchitis leiden. „Das Alter selbst ist keine Krankheit. Ältere Menschen leiden aber eher an Krankheiten, und das Ausmaß dieser Vorerkrankungen ist relevant“ (Klaus Püschel in SPIEGEL 25.4.2020). Im Deutschen Ärzteblatt schrieb Püschel nach 167 Obduktionen:  „Die sorgfältige Untersuchung der Toten belegt, dass schwerwiegende und tödliche Verläufe der Krankheit in einem nicht überlasteten System von öffentlichem Gesundheitswesen und Krankenhäusern selten sind. Betroffen sind davon in Hamburg, bei aller individuellen Tragik dieser Fälle, bisher Personen, die bereits zuvor körperlich beziehungsweise immunologisch erheblich kompromittiert waren“ (Dtsch Ärztebl 2020). Der Bonner Virologe Heinrich Streeck hat sich „die Fälle von 31 der 40 Verstorbenen aus dem Landkreis Heinsberg einmal genauer angeschaut – und war nicht sehr überrascht, dass diese Menschen gestorben sind“ (ZEIT 6.4.2020).

In manchen Ländern wurden oder werden in die Corona-Todesfallstatistiken alle Verstorbenen aufgenommen, die irgendwann in der Vergangenheit ein positives Testergebnis hatten – selbst wenn sie nie krank oder inzwischen genesen waren, und später durch einen Herzinfarkt oder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind (Guardian 17.7.2020). In Belgien wurden mangels Testkapazität sogar alle Verdachtsfälle als Coronatote registriert. In Deutschland ist zumindest Voraussetzung, dass ein positiver Test vorliegt und die Todesursache etwas mit dem Virus zu tun haben könnte. Auch das ist eine Art Schätzung. So wurde am  6. Juli in Krefeld die Zahl der Covid-19-Todesfälle heraufgesetzt, „um die Statistik an die des Robert-Koch-Institutes anzupassen. Grund ist, dass Personen, die einmal positiv auf das Coronavirus getestet wurden und später versterben grundsätzlich in dieser Statistik aufgeführt werden“ (Krefeld.de 17.7.2020). In Hamburg fiel die Zahl der registrierten COVID-9-Todesfälle auf fast die Hälfte, nachdem nur noch gezählt wurde, wer sicher durch eine SARS-CoV2-Lungenentzündung ums Leben gekommen war (t-online 2.4.2020).

Die Todesfälle durch COVID-19 müssen in Relation zur Gesamtsterblichkeit der Bevölkerung gesehen werden. Diese ist im Winterhalbjahr regelmäßig deutlich höher als im Sommerhalbjahr (EuroMOMO April 2020). In Deutschland werden jedes Jahr 300’000 Menschen mit einer Lungenentzündung stationär behandelt, und etwa 60’000 davon sterben. Allein die Gruppe der Coronaviren führt jährlich zu Millionen von Atemwegsinfektionen und endet bei bis zu acht Prozent der pflegebedürftigen älteren Menschen tödlich (Statnews 17.3.2020). Ein Großteil der Menschen, die in ein Pflegeheim aufgenommen werden, stirbt innerhalb des ersten Jahres (Prisma 31.3.2020).

Nachdem die Influenza im Jahr 2020 sehr milde verlief und eine niedrige Sterblichkeit hatte, erkrankte diesmal ein Teil der pflegebedürftigen Menschen schwer an COVID-19. Auf Grund der Pandemie-Situation wurden viele Patienten, die früher friedlich im Pflegeheim gestorben wären, zur Intensivbehandlung und Beatmung ins Krankenhaus gebracht – „eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin, und jetzt wird so eine neue Erkrankung diagnostiziert und da macht man aus diesen ganzen Patienten Intensivpatienten… das sind sehr falsche Prioritäten und es werden ja auch alle ethischen Prinzipien verletzt, die wir so kennen“ (Palliativmediziner Matthias Thöns im DF 13.4.2020).

Vereinzelte Berichte über schwere COVID-19-Verläufe bei jüngeren Menschen lassen aufhorchen und werden wohl auch gezielt lanciert. Sie sind aber nicht verwunderlich: Auch an Influenza sterben jedes Jahr Menschen unter 65 Jahren, nur ist das Risiko extrem gering (Rabe März 2020). Bei unter 65jährigen liegt die Sterblichkeit an COVID-19 unter 0,01% und entspricht damit in etwa der  Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls bei einer täglichen Fahrt zur Arbeit über 7,5 Kilometer (Ioannidis 19.5.2020; Ioannidis 8.4.2020). Unter den knapp 9000 Todesfällen in Deutschland durch Covid-19 bis Juni 2020 war nur ein Kind unter 10 Jahren, „ein sicherer Hinweis darauf, dass hier eine Sondersituation vorliegt“ (Schrappe 29.06.2020).

Alle Sterblichkeitsberechnungen haben ein erhebliches Risiko für Verzerrungen und neigen zu irreführenden Überschätzungen (Schrappe 5.4.2020). Viele „Corona-Tote“  sind an einer anderen Krankheit gestorben, hatten aber irgendwann einen positiven SARS-CoV2-Test. Der anfängliche Rat des Robert-Koch-Instituts, auf Obduktionen zu verzichten, war ein Hindernis für die Aufdeckung solcher Zusammenhänge.

Die alarmierenden Sterblichkeitsraten von mehreren Prozent in der norditalienischen Provinz Lombardei waren aus den Coronatests bei sterbenskranken Patienten berechnet (Corriere de la Sera 27.3.2020). Zudem wurden auch Patienten, die wegen medizinischer Unterversorgung an anderen Krankheiten wie Herzinfarkt oder Apoplex starben, als „Corona-Tote“ gezählt. Nur die Hälfte der im März 2020 zusätzlich gestorbenen 25’000 Menschen hatte tatsächlich eine Corona-bedingte Lungenerkrankung (ISTAT 4.5.2020). In den ersten Märzwochen ging es in Italien drunter und drüber, denn viele osteuropäischen Pflegekräfte hatten aus Furcht vor Ausgangssperren die Flucht in ihre Heimat ergriffen, und Tausende ausgetrockneter pflegebedürftiger Menschen wurden in die personell völlig unterbesetzten Krankenhäuser gefahren, wo viele dann erst angesteckt wurden. Die weniger schwer erkrankten Patienten wurden in die Pflege- und Altenheime zurückgeschickt, und wurden dort zum Ausgangspunkt von Ausbrüchen (heise 3.4.2020, Mayer 19.5.2020).

Die Folgen der Pandemie sind dort deutlicher spürbar, wo eine neoliberale Politik die Ungleichheit in der Gesellschaft verstärkt und die soziale Absicherung heruntergefahren hat (SPIEGEL 9.7.2020). Besonders hoch ist die Sterblichkeit dort, wo die Gesundheitsversorgung eine Frage des Geldbeutels ist, wie etwa in den USA und Brasilien (Berger 4.8.2020). Länder mit hoher Sterblichkeit wie Italien, Spanien, Großbritannien, Schweden oder die USA, zeichnen sich auch aus durch profitorientierte, schlecht ausgestattete und personell unterbesetzte Pflegeheime und Krankenhäuser, die auch schon bei vergangenen Grippeepidemien überlastet waren. In England sind vermutlich mehr als zwei Drittel der verstorbenen rund 30.000 Menschen an medizinischer und pflegerischer Unterversorgung gestorben, oder dadurch, dass Patienten aus den Krankenhäusern zurück in die Pflegeeinrichtungen geschickt wurden (Pflege-Prisma 19.5.2020, Guardian 7.6.2020). Auch in New York und vielen anderen Bundesstaaten der USA wurden Infizierte zurück in die Pflegeheime gebracht und verbreiteten dort das Virus (Medscape 15.7.2020). Auf den Intensivstationen wurden Erkrankte zu früh und aggressiv beatmet, mit multiresistenten Keimen infiziert oder mit riskanten Medikamenten behandelt. Die höchste Überlebenschance haben offenbar Patienten, die man weitgehend in Ruhe lässt (ÄB 22.4.2020).

Gegenden mit hoher COVID-19-Sterblichkeit sind auch Gegenden mit besonders hoher Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickoxiden: Wuhan in China, die Regionen um Mailand, Madrid, Paris, London und New York sowie andere Großstädte in den USA (Übersicht bei Rabe 14.7.2020). Ein Zusammenhang wird von vielen Forschern für wahrscheinlich gehalten, denn Luftschadstoffe führen zu chronischen Entzündungen der Atemwege und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und disponieren dadurch zu schweren Verläufen von Virusinfekten (hpd 12.3.2020). 

Die europäische Sterblichkeitsstatistik zeigte für April 2020 in einigen Ländern eine deutliche Übersterblichkeit – vor allem in Italien, Spanien, Frankreich und England (EuroMOMO), außerdem in Schweden, wo sie jedoch auch ohne Lockdown ebenso wie in anderen Ländern wieder zurückging (FOHM). Die zusätzlichen Todesfälle entsprachen weniger als einem Prozent der jährlich über 5 Millionen Todesfälle in Europa. Zu berücksichtigen ist: Die Sterblichkeitskurven in den genannten EU-Ländern waren im April 2020 zwar hoch, aber sehr schmal. In den Jahren zuvor, vor allem im Frühjahr 2018, waren die Kurven niedriger, aber breiter; die Sterbefälle verteilten sich also über einen größeren Zeitraum (EuroMOMO). Entscheidend ist letztlich die Fläche unter der Kurve (Walach 6.5.2020). Diese könnte 2020 gleich oder ähnlich sein wie in den Jahren zuvor – dann wären die Menschen einfach einige Wochen früher gestorben als sonst (EuroMOMO).

In Deutschland lag die Zahl der Sterbefälle 2020 nach einer Sonderauswertung des statistischen Bundesamts bis Mitte April im Bereich der Jahre 2016, 2017 und 2019 und niedriger als 2018 (destatis 8.5.2020). Das Ifo-Institut bestätigt, das es im Frühjahr 2020 nicht einmal bei alten Menschen eine außergewöhnliche Sterberate gegeben habe. Ein Zusammenhang mit den erst spät angeordneten Beschränkungen des öffentlichen Lebens sei dabei nicht festzustellen (ifo 23.5.2020). Seit Juli 2020 gibt es nur noch vereinzelte Sterbefälle durch COVID-19 (Berger 4.8.2020).

Mit Spannung zu erwarten sind die Sterblichkeitsziffern durch Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere schwere Krankheiten: Viele Notfallpatienten haben die Krankenhausambulanzen gemieden, weil sie Angst hatten, sich dort zu infizieren – ein nicht zu unterschätzender Kollateraleffekt der Coronapanik (SZ 10.4.2020, Merkur 10.7.2020).

Mitte Mai 2020 wies ein Oberregierungsrat im Bundesinnenministerium darauf hin, dass durch die Pandemie-Maßnahmen wesentlich mehr Menschen gestorben sein könnten als durch COVID-19. Ursachen sind abgesenktes Pflegeniveau in den Pflegeheimen, Zunahme von Suiziden, zu spät erkannte Infarkte oder Krebserkrankungen und verschobene Therapien. Allein die mehr als eine Million verschobene Operationen – darunter über 50’000 Krebsoperationen (SPIEGEL 13.7.2020) – könnte zu Tausenden bis Zehntausenden Todesfällen geführt haben oder führen (Bericht im Merkur 13.5.2020; SPIEGEL 10.5.2020; BILD  15.5.2020; das brisante Papier können Sie hier herunterladen). Die Kritik am mangelhaften Krisenmanagement in der Corona-Politik wurde von Innenminister Seehofer als nicht autorisiert abgelehnt, der Whistleblower vom Dienst suspendiert (ZEIT 11.5.2020). Er bekam jedoch umgehend Schützenhilfe von zahlreichen Experten (BgA 12.5.2020, BILD 13.5.2020).

Schließungen und Ausgangssperren: Weder notwendig noch angemessen

Das Besondere an SARS-CoV-2 war die Befürchtung, dass eine große Zahl von Menschen innerhalb eines kurzen Zeitraums schwer erkranken könnte und dadurch das Gesundheitssystem übermäßig strapaziert werden könnte. Durch einschneidende Maßnahmen sollte verhindern werden, dass Menschen sterben, weil sie nicht mehr versorgt werden können. Vor allem Risikogruppen sollten möglichst vor einer Ansteckung geschützt werden. Durch Ausdünnen der Kontakte sollte die Infektionswelle abgeflacht und in die Länge gezogen werden („flatten the curve“) – in der Hoffnung, dass es irgendwann Behandlungsoptionen oder eine wirksame Impfung gibt.

Es gab jedoch keine wissenschaftliche Grundlage für die Verhängung von umfangreichen Ausgangsbeschränkungen und „Social distancing“ für die gesamte Bevölkerung (s. EBM-Netzwerk März 20.3.2020). Die Politik des „flatten the curve“ war vielleicht sogar kontraproduktiv, weil sie die Zeitdauer bis zum Erreichen einer Herdenimmunität und damit die Krankheitsaktivität in die Länge zieht (Wittkowski 28.3.2020). In einem vielbeachteten Thesenpapier schrieben sechs prominente Gesundheitsexperten am 5. April 2020: „Die allgemeinen Präventionsmaßnahmen (z.B. social distancing) sind theoretisch schlecht abgesichert, ihre Wirksamkeit ist beschränkt und zudem paradox (je wirksamer, desto größer ist die Gefahr einer „zweiten Welle“) und sie sind hinsichtlich ihrer Kollateralschäden nicht effizient“ (Schrappe 5.4.2020). In Österreich wurden die Ausgangsbeschränkungen und die deswegen verhängten Strafen im Nachhinein für verfassungswidrig erklärt (Kurier 22.7.2020).

Lockdown-Maßnahmen können auch gesundheitsgefährdend sein, wie der Vorgänger des Virologen Christian Drosten an der Charité Berlin, Detlev Krüger, in einem Interview ausführt: „Man darf Menschen nicht einsperren, wenn man Infektionsschutz betreiben will. Wenn man Leute einsperrt, ist das für ihre körperliche und psychische Konstitution katastrophal. Und beides wirkt ja in der Infektionsabwehr zusammen. Wir haben Studien darüber gemacht, inwieweit Stress die Empfindlichkeit gegenüber Virusinfektionen erhöht. Und konnten deutlich zeigen, dass das der Fall ist“ (Krüger 29.3.2020). Das menschliche Immunsystem ist ein lernendes System durch die ständige Auseinandersetzung mit Bakterien und Viren. Die orale Phase, das Spielen der Kinder untereinander, das Umarmen und Küssen, das Reiben von Augen oder Nase — das alles stimuliert das Immunsystem und macht es stärker. Deshalb sind auch Abstands- und Hygieneregeln auf Dauer kontraproduktiv.

Eine rasche Durchseuchung junger Menschen hätte die Epidemie möglicherweise ebenso schnell oder schneller zum Abklingen gebracht (Vernazza 20.2.2020, Lohse 29.3.2020, Schrappe 5.4.2020). Japan, Taiwan, Südkorea und Schweden haben diese Politik verfolgt (NR 6.4.2020; Welt 15.4.2020). In Schweden gab bis auf das Verbot von Großveranstaltungen keine Vorschriften, sondern nur Appelle an die Verantwortung. Hotels, Restaurants und Kindertagesstätten blieben geöffnet, und Schüler bis zur 9. Klasse gingen weiter in die Schule, ohne dass es dort zu COVID-19-Ausbrüchen kam. Ein politischer Fehler war nur der inkonsequente Schutz der Pflegeheime, in denen prekär bezahlte Pfleger und Pflegerinnen durch das fehlende Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und ständig wechselnde Einsatzorte das Virus schnell verbreitet haben (rbb 19.5.2020). In der Provinz Skåne um die Stadt Malmö, wo die Pflegeheime gezielt geschützt wurden, verlief die Pandemiewelle milder als im gegenüberliegenden Kopenhagen mit dem strengen Lockdown (Telegraph 14.6.2020).

Wie die meisten Erkältungsviren hat auch SARS CoV2 eine Aktivitätszeit von wenigen Monaten und läuft dann aus (Wittkowski 28.3.2020, Walach 28.7.2020). Die Kurven der Infektionen und Todesfälle ähneln sich in allen Ländern, egal, welche Maßnahmen sie getroffen haben. Das Virus hat sich rasend schnell über die ganze Welt verbreitet. Als wir es sahen, hatte es wohl schon einen Großteil der aktiven Bevölkerung erreicht, die davon offenkundig relativ wenig betroffen war. Bis dann irgendwann die Fälle klinisch auffällig wurden und Tests vorhanden waren, um das Virus zu suchen. Dadurch wurde es natürlich auch vermehrt gefunden. Als die Regierungen reagierten, war es eigentlich schon zu spät (Walach 28.7.2020). Bereits im März 2020 waren die Erkrankungsraten in China und Südkorea wieder stark gesunken (ToI 19.4.2020, Weltwoche 22.4.2020). In Italien, Deutschland und anderen europäischen Ländern gingen die Neuerkrankungen – bereinigt um die stark gestiegenen Testzahlen – ab Anfang der ersten Märzhälfte 2020 und die Todesfälle ab Anfang April zurück (Kuhbandner 23.4.2020). Die Lockdown-Maßnahmen, die in Deutschland ab dem 23.3. verordnet wurden, kamen zu spät (WELT 15.4.2020, Walach 6.5.2020; Kuhbandner 1.6.2020).

Modellrechnungen, die von einem positiven Effekt des Lockdowns ausgehen, wie sie etwa in Science (Dehning 15.5.2020) oder Nature (Flexman 86.2020) veröffentlicht wurden, sind fehlerhaft, denn sie berücksichtigen weder die exponentielle Zunahme der Testungen noch die Meldeverzögerungen oder die Todesursachen (Rabe 17.5.2020, Kuhbandner 1.6.2020, Gerd Antes bei RND 8.6.2020, Rabe 9.6.2020, Homburg 17.6.2020). Kuhbandner et al. schreiben, bebildert durch die Statistiken des Robert-Koch-Instituts: „RKI-Publikationen deuten darauf hin, dass sich die Pandemie in Deutschland von alleine zurückzog, bevor irgendeine staatliche Maßnahme ergriffen wurden“. Denselben Befund erhob die ETH Zürich für die Schweiz  (LZ 16.5.2020).

Wahrscheinlich erleben wir einfach den Spontanverlauf einer Epidemie. Man fragt sich mit Markus Lanz (Lanz 23.4.2020): War der Lockdown dann überhaupt notwendig? Und war er effektiv? Wie ist es zu erklären, dass es in Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich deutlich mehr Todesfälle als in Deutschland zu beklagen gab, obwohl die Maßnahmen dort wesentlich strenger waren? Die Zahl der Menschen, die von einem Kranken angesteckt wird – die sogenannte Repoduktionszahl oder Ansteckungszahl – lag ab der dritten Märzwoche unter 1,0 (EB 15.4.2020). Warum ging sie in den sechs Wochen Lockdown nicht weiter nach unten?

Erst am 17. April räumte Gesundheitsminister Spahn ein, dass die Ansteckungszahl seit vier Wochen gleichbleibend unter 1,0 lag. In ihrem „Thesenpapier 2.0 zur Pandemie“ (Schrappe 3.5.2020) fragen die sechs Autoren: „Wie ist die späte Veröffentlichung zu begründen? vor allem: wie ist der offensichtliche Befund zu interpretieren, dass unter der verschärften Einschränkung der Berufsfreiheit und Freizügigkeit kein weiterer Abfall zu beobachten war. Die Beobachtung ist ja durchaus mit der Annahme vereinbar, dass von diesen Maßnahmen keine weitere Wirkung ausgegangen ist…  Es gibt deutliche Anhaltspunkte für die Annahme, dass die einfachen Maßnahmen wie Verbot von Großveranstaltungen bereits ausgereicht hätten.

Prof. Harald Walach schreibt in seinem Beitrag „Die Welle ist vorbei“ am 6. Mai (Walach 6.5.2020):
„Was aus meiner Sicht auf keinen Fall aus den Daten abgeleitet werden kann ist,

  • dass die „Maßnahmen“ gewirkt haben
  • dass das Tragen von Mundschutz, selbstgebastelt, gehäkelt, gestrickt oder gekauft, immer noch hilfreich ist
  • dass wir es mit einem Killervirus zu tun haben
  • dass wir noch lange vorsichtig sein und am besten unser Leben ein Jahr lang suspendieren müssen
  • dass die Angst, die viele Menschen noch immer haben, gerechtfertigt ist.“

Was für ein Befund nach den vielen Wochen Lockdown und Social Distancing!

Alle Zahlen im Corona-Zirkus sind fehleranfällige, unzuverlässige Schätzungen (Rabe 18.4.2020). Insbesondere das Robert-Koch-Institut (RKI) fällt auf durch Irreführung und Angstmache. Es verbreitet Grafiken, bei denen die neuen Fälle auf die Zahl der alten Fälle aufsummiert werden, so dass es gar keine Abnahme geben kann. Die Anzahl der Gestorbenen wird nicht, wie es korrekt wäre, auf die Zahl der mutmaßlich Infizierten bezogen, sondern auf die Zahl der positiv Getesteten (Schrappe 3.5.2020, ZDF 11.5.2020). Das RKI unterscheidet nicht zwischen Infizierten und Erkrankten, und auch nicht zwischen leichten und schweren Erkrankungen. Immer wieder meldet es alarmistisch steigende Ansteckungszahlen, die aber durch steigende Testzahlen bedingt sind und somit irreführender „Zahlenschrott“, der von den Medien alarmistisch weitergetragen wird (FR 16.5.2020, Merkur 3.8.2020). Auch die angeblich steigende Ansteckungszahl während des Coronaausbruchs in einer Fleischfabrik war verursacht durch dieses rein lokale Ereignis und durch die verstärkten Testungen in der betroffenen Region – ohne Bedeutung für den Rest der Republik. Es bedurfte erst eines Gerichtsurteils, um das klarzustellen und den allgemeinen Lockdown im Kreis Gütersloh wieder zu beenden (Tagesschau 6.7.2020). RKI-Vizepräsident Lars Schaade raunte am 21.4., dass jeder schwer erkranken könne und keiner sich in Sicherheit wiegen könne. Am gleichen Tag betonte sein Chef Lothar Wieler: „Es ist kein Ende der Epidemie in Sicht, die Fallzahlen können wieder steigen“ und „selbst wenn es keine Fälle mehr gibt, müssen wir uns an Abstandsregeln halten“ (Wiehler 21.4.2020). Masken und Abstandsregeln forever?

Den getroffenen Maßnahmen fehlt letztlich die Rechtfertigung. Der Lockdown wurde erst angeordnet, als das Schlimmste schon vorbei war. Er war möglicherweise die katastrophalste politische Fehlentscheidung der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Immer wieder wurde fälschlicherweise berichtet, dass die schwedische Regierung den Sonderweg aufgeben würde, mit weniger einschneidenden Maßnahmen durch die Krise zu kommen (z.B. Tagesschau 12.4.2020). Die schwedische Regierung blieb jedoch trotz aller Anfeindungen auf ihrem Kurs. Es gab weder Zehn- oder Hunderttausende von Todesfällen noch einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems mit Überlastung der Intensivsstationen (ARTE 11.5.2020, Tagesschau 19.6.2020, n-tv 28.6.2020). Anders als in den Medien dargestellt ist inzwischen klar, dass Schweden auch wirtschaftlich deutlich besser als andere EU-Länder durch die Krise gekommen ist (BBC 5.8.2020).

Der schwedische Weg wurde von der Weltgesundheitsorganisation geadelt – für die Lockdown-Verfechter anderswo politisch brisant. WHO-Exekutivdirektor Mike Ryan sagte: „Sie haben die öffentliche Politik durch eine Partnerschaft mit der Bevölkerung umgesetzt… Ich denke, wenn wir eine neue Normalität erreichen, ist Schweden ein Vorbild. Wie man zu einer Gesellschaft ohne Lockdown zurückkehrt.»“ (Nau 30.4.2020).

Als erstes europäische Land hat Norwegen eingeräumt, dass der Lockdown nicht notwendig war. Die Leiterin,  des Instituts für öffentliche Gesundheit Camilla Stoltenberg sagte, das Virus sei bereits auf dem Rückzug gewesen, als der Lockdown angeordnet wurde. „Es sieht so aus, als ob die effektive Reproduktionszahl bereits zu einem Zeitpunkt auf etwa 1,1 gefallen war, als die umfassendsten Maßnahmen am 12. März ergriffen wurden, und es nicht viel gebraucht hat, den Wert unter 1,0 zu bringen“ (Spectator 27.5.2020). Derartig selbstkritische Äußerungen würden auch deutschen Politikern gut anstehen.

Der deutsche Ethikrat gab unmittelbar nach Anordnung des Lockdowns zu bedenken (Ethikrat 27.3.2020): „Die Rechtfertigung dieser Maßnahmen des Lockdowns bedarf von deren Einführung an und für jeden Zeitpunkt ihrer Dauer einer überaus komplexen Güterabwägung unter den Bedingungen von Unsicherheit… Auch der gebotene Schutz menschlichen Lebens gilt nicht absolut. Ihm dürfen nicht alle anderen Freiheits- und Partizipationsrechte sowie Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrechte bedingungslos nach- bzw. untergeordnet werden. Ein allgemeines Lebensrisiko ist von jedem zu akzeptieren.

Am 7. April hieß es in einer Ad-hoc-Empfehlung des Ethikrats: „Es ist ja nicht nur die Wirtschaft, die unsere Lebensgrundlage sichert, die auf dem Spiel steht, wenn wir den Lockdown so fortführen. Nein: Auch wichtige Operationen, oft beschönigend als „elektiv“ bezeichnet, werden verschoben. Präventionsuntersuchungen werden abgesagt. Therapien zur Überwindung von psychischen Problemen, Alkoholsucht, Depression oder Gewalttendenz, werden trotz drohender hoher Rückfallquoten unterbrochen. Kranke und Sterbende werden nicht mehr so begleitet, wie es die Menschlichkeit erfordert. Beerdigungen, dieses wichtige Ritual der Trauerbewältigung, werden aufs oft als unmenschlich empfundene Minimum reduziert. Existenzen zerbrechen in Einsamkeit oder angesichts empfundener Ausweglosigkeit aus wirtschaftlichen und anderen Zwangslagen“ (Ethikrat 7.4.2020).

 

Die Pandemie-Politik zerstört Lebensgrundlagen

Die Pandemie-Maßnahmen – Lockdown, Hygieneregeln – haben die wirtschaftliche Existenz unzähliger Menschen aufs Spiel gesetzt (FAZ 10.5.2020) und unsere reiche Kulturlandschaft und Gastro-Szene ruiniert (FAZ 16.4.2020; STERN 16.4.2020; Tagesspiegel 16.4.2020). Allein im Gastgewerbe fiel der Umsatz im April 2020 gegenüber dem April des Vorjahres um 75 Prozent, und 70’000 Betrieben droht die Insolvenz (Destatis 19.6.2020, Focus  10.7.2020). Nach einer Umfrage des ifo-Instituts vom Juli 2020 ist etwa ein Fünftel aller deutschen Unternehmen in seiner Existenz bedroht (SZ 8.7.2020). Fast 30 Prozent aller Arbeitnehmer waren Mitte Juli 2020 in Kurzarbeit oder arbeitslos. Die eigentliche Krise wird den Arbeitsmarkt jedoch erst im Herbst 2020 erfassen und möglicherweise Jahre dauern (Kreiß 13.7.2020). Aktuell sind Firmen wegen der Corona-Krise vorübergehend von der Pflicht befreit, einen Insolvenzantrag zu stellen. Diese Regelung endet am 30. September.

Die soziale Ungleichheit wurde durch den herbeigeführten wirtschaftlichen Abschwung verstärkt. Besonders hart trifft es die Ärmsten der Armen: die Flüchtlinge, Obdachlosen, Drogenabhängigen und Transferleistungsbezieher (RND 31.3.2020), sowie die Kinder aus sozial schwachen Familien und bildungsfernen Schichten. Der Epidemiologe Gérard Kraus gibt zu Bedenken: „Wir wissen, dass zum Beispiel Arbeitslosigkeit Krankheit und sogar erhöhte Sterblichkeit erzeugt. Sie kann Menschen auch in den Suizid treiben. Solche Folgen kann man nicht so einfach direkt ausrechnen, aber sie finden trotzdem statt und sie können möglicherweise schwerwiegender sein als die Folgen der Infektionen selbst“ (ZDF 29.3.2020).

John Ioannidis spricht sogar von möglichen Folgen wie Unruhen, Bürgerkrieg und dem Zusammenbruch des sozialen Gefüges – gerade in Ländern, in denen die Menschen von der Hand in den Mund leben, ist das nicht ausgeschlossen: „Wenn wir uns entscheiden, von der Klippe zu springen, brauchen wir einige Daten, die uns über die Logik eines solchen Schrittes Auskunft geben und über die Chancen, irgendwo sicher zu landen“ (Statnews 17.3.2020).

Die Folgen des globalen Lockdowns und des Wirtschaftsabschwungs, der durch die Pandemie-Maßnahmen verursacht wird, sind gerade in den ärmeren Ländern der Welt unabsehbar. Weltweit werden wesentlich mehr Menschen durch die Pandemie-Abwehr sterben als durch das Coronavirus (Welt 9.4.2020). Nach Angaben der UN hat die Corona-Krise 400 Millionen Jobs vernichtet und mehr als 250 Millionen Menschen an den Rand des Hungertods gebracht. Nach Befürchtung der WHO werden in den nächsten Jahren hunderttausende Kinder verhungern, und eine halbe Million unter Mangelernährung leiden – mit den entsprechenden Langzeitfolgen für ihre Entwicklung und Gesundheit (DLF 28.7.2020).Vermutlich werden wir schon dieses Jahr mehrere Millionen zusätzliche Hungertote sehen, vor allem Kinder, vor allem Mädchen, vor allem Schwarze und Farbige“ (Kreiß 13.7.2020). Außerdem könnten hunderttausende Menschen durch die Verschlechterung der Gesundheitsversorgung sterben: Kinder, die nicht mehr gegen Diphtherie, Tetanus oder Masern geimpft werden, oder Patienten mit HIV, Tuberkulose und Malaria, die keine Medikamente mehr bekommen.

Durch Corona- und rezessionsbedingte Schulschließungen könnten zehn Millionen Kinder für immer von der Schulbildung ausgeschlossen bleiben (dw 13.7.2020). Erstmals seit Jahrzehnten wird auch wieder die Kinderarbeit zunehmen (dw 7.7.2020, Zeit online 7.7.2020). „Jetzt stehen wir vor einer Katastrophe für eine ganze Generation, durch die unermessliches menschliches Potenzial verschwendet, jahrzehntelanger Fortschritt untergraben und tief verwurzelte Ungleichheiten verschärft werden könnten“ fürchtet UN-Generalsekretär António Guterres (tagesschau.de 04.08.2020).

Es ist damit zu rechnen, dass der wirtschaftliche Schock durch die Pandemiemaßnahmen und die weltweite Rezession zu Instabilität, Massenprotesten und Unruhen führen wird, vor allem in den ärmeren Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, aber auch in den USA (Guardian 17.7.2020). Auf den Philippinen kam es bereits zu Aufständen wegen Lebensmittelknappheit, in Bangladesch wegen einbehaltener Löhne in der kriselnden Textilindustrie. In Indonesien, Thailand oder Südafrika sind durch den Einbruch des Tourismus Millionen ohne Einkommen und erhalten keinerlei staatliche Hilfe. In Indien wurden Millionen Tagelöhner in ihre Dörfer zurückgeschickt. In vielen Ländern kam es zu einer Beschneidung der Menschenrechte und zu Verfolgungen und Morden aus rassistischen oder politischen Motiven (Misereor 24.4.2020). Auf Europa und Nordamerika wird vermutlich eine neue Flüchtlingswelle zukommen.

In den USA übertraf die Übersterblichkeit im Frühjahr 2020 deutlich die gemeldeten COVID-19-Todesfälle. Viele Menschen starben durch andere Erkrankungen, etwa weil sie nicht die notwendige Behandlung erhalten haben oder nicht in die Notaufnahmen gingen. Arbeitslosigkeit und soziale Isolierung führen zu einer Zunahme von Selbsttötungen und Drogentoten (DÄ 3.7.2020). Aus Angaben der Schule für öffentliche Gesundheit in Yale/USA (Weinberger 1.7.2020) lässt sich errechnen, dass die Intensität der Pandemie-Maßnahmen im Vergleich zwischen verschiedenen Bundesstaaten der USA keinen signifikanten Einfluss auf die Todesfallzahlen hatten. Entscheidend war dagegen die Qualität der Gesundheitsversorgung (Walach 28.7.2020).

Der weltweit führende Experte für Infektionskrankheiten, John Ioannidis, warnte seit März 2020 wiederholt vor den schrecklichen finanziellen und sozialen Folgen eines Lockdowns (Fee 2.7.2020). Umso unverständlicher, warum gerade die LINKE und die GRÜNEN kritiklos die Aussetzung der Bürgerrechte hingenommen haben und blind waren für die sozialen Folgen der Pandemie-Maßnahmen. Sie haben von Beginn an dazu aufgerufen, stillzuhalten und den Institutionen zu vertrauen. Sie stigmatisieren oppositionelle Bürgerrechtler als unverantwortlich, egoistisch und „rechtslastig“ und fordern massivere Polizeieinsätze bei Corona-Demonstrationen (GRÜNE 13.5.2020, LINKE 3.6.2020, Tagesspiegel 3.8.2020). Ein schlimmes Versagen der politischen Opposition, die damit das Feld der AfD überlässt.

Der US-amerikanische Kulturphilosoph Charles Eisenstein schreibt: „Warum ist es plötzlich die Linke, die jeden drängt, „dem starken Mann“ zu vertrauen – den Erklärungen der Pharmaunternehmen und pharmagesponserten Organisationen wie der US Gesundheitsbehörde und der WHO? Warum wird eine Skepsis gegenüber diesen Institutionen plötzlich als „rechtslastig“ stigmatisiert? Es ist ja nicht so, dass nur die Privilegierten vom Lockdown „belästigt“ würden. Er zerstört doch die Leben von zehn oder hunderten Millionen des globalen Prekariats. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt davor, dass bis zum Ende des Jahres 260 Millionen Menschen der Hungertot droht. Die meisten davon sind Schwarze oder Menschen mit dunkler Haut in Afrika und Südasien. Daher könnte man sagen, dass die Beschränkung der Debatte auf epidemiologische Fragen der Sterblichkeit das Leid der am meisten Marginalisierten einfach ausblendet und somit selbst Ausdruck eines privilegierten Standpunktes ist.“ (Eisenstein Juli 2020).

Der Lockdown war eine politische Panikreaktion, aber er war nie alternativlos. Spätestens am 17. März wusste man aus den Berichten der italienischen Gesundheitsbehörden, dass COVID-19 fast ausschließlich sehr alte Menschen mit schweren Grunderkrankungen in Gefahr brachte (ISS 16.3.2020). Effektiv, weniger einschneidend und weniger riskant wären begrenzte und gezielte Quarantäne- und Schutzmaßnahmen gewesen. Man hätte die Maßnahmen ergänzen können durch häufige Virustestungen bei Gesundheits- und PflegearbeiterInnen („institutioneller Kontakt“), spezielle Kontrollmaßnahmen bei regionalen Krankheitshäufungen und virusdichte Gesichtsmasken für alle, die sich schützen wollen oder geschützt werden sollen (Schrappe 5.4.2020).

Nach wie vor besonders schlimm von den Pandemiemaßnahmen betroffen sind Patienten in Langzeitpflege, infizierte Schwerkranke, Behinderte und Sterbende in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen. Für sie müssen Lösungen gefunden werden, die ihre Situation erträglich machen und die Menschenwürde respektieren. Der Ethikrat mahnte schon Ende März zum Umschalten zur „Entwicklung von effektiven und erträglichen Schutz-/Isolationsstrategien für Risikogruppen (Vorerkrankte, ältere Menschen) und in bestimmten Institutionen (etwa Einrichtungen der Alten- und Langzeitpflege)“ (Ethikrat 27.3.2020). Wie behutsam wir hier sein müssen, zeigt die Auseinandersetzung zwischen Gesundheitsminister Jens Spahn („Wir werden die Älteren über mehrere Monate bitten müssen, im Zweifel zuhause zu bleiben“) und dem Altersmediziner und Psychiater Johannes Pantel („Da bleibt mir die Spucke weg… das ist verfassungswidrig!“) (ARD 6.4.2020). Mit den Pandemie-Maßnahmen wurden in den Alten- und Pflegeheimen Verhältnisse geschaffen, die denen in Gefängnissen ähneln. Manche Bewohner verzichten lieber auf Besuche als hinter einer Trennscheibe Platz nehmen zu müssen. Patientenschützer beklagen die „Freiheitsberaubung“ von Pflegeheimbewohnern und fordern ein menschliches Konzept für alle stationären Einrichtungen (Presseportal 30.5.2020).

Es drängen sich die Fragen auf: Wollen oder sollen Großeltern wirklich monatelang ihre Kinder oder Enkelkinder nicht mehr sehen? Welche Regierung darf das anordnen? Welchen Preis zahlen wir für ein möglichst langes Leben? Wohin führt uns der angebliche Rechtsanspruch auf Gesundheit (Walach 3.4.2020)?

 

Der Mund-Nasen-Schutz: Im nicht-professionellen Kontext fragwürdig

Nachdem es in den ersten Wochen der Pandemie hieß, Gesichtsmasken würden die Übertragung des Coronavirus nichts bringen, wurde Ende April die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften, Arzpraxen, Schulen und an anderen Orten angeordnet. Erlaubt wurden auch selbstgenähte „Alltagsmasken“ oder die Bedeckung von Nase und Mund durch Tücher oder Schals. Die wissenschaftlichen Belege für den Sinn dieser Maßnahme sind nach wie vor schwach, vor allem wenn man bedenkt, wie die Masken im Alltag gehandhabt werden (Rabe 9.7.2020).

Die häufig zitierte „Jena-Studie“ (Mitze 2020), nach der in der thüringischen Stadt bereits vier Tage nach Einführung der Maskenpflicht die Infektionszahlen gesunken sein sollen, ist irrelevant angesichts der Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen und Meldeverzögerungen von bis zu einer Woche (s. Kommentare bei Dtsch Ärztebl 8.6.2020). Die Autoren einer WHO-finanzierten Übersichtsarbeit zu Abstandsregeln und Gesichtsschutz (Lancet 27.6.2020) schreiben in ihrem Resümee: „Robuste randomisierte Studien sind erforderlich, um die Evidenz für diese Interventionen besser zu untermauern“.

Solche Studien gibt es bereits. Sie haben den Nutzen von Gesichtsmasken bei Influenza untersucht, einer Krankheit, die ebenso wie COVID-19 vorrangig eine Tröpfcheninfektion ist. Eine von der WHO unterstützte Übersichtsarbeit fasste im Mai 2020 vierzehn qualitativ hochwertige RCT-Studien (=kontrollierte Studien mit Zufallsverteilung der Versuchspersonen) zu diesem  Thema zusammen. Die Autoren fanden keinen „substantiellen Effekt auf die Übertragung“, weder wenn die Masken von Erkrankten noch von der Allgemeinheit getragen werden (Xiao, Mai 2020).

Trotzdem kursiert die Behauptung, Masken seien eine der wirksamsten Maßnahmen gegen die Übertragung von SARS CoV-2, und sie wurden ein Pflichtbeitrag zur Pandemiebekämpfung, erzwungen durch Bußgelder in teilweise existenzbedrohender Höhe (SZ 27.7.2020).

Auch die WHO empfiehlt entgegen ihrer früheren Ablehnung das Tragen von Gesichtsmasken in überfüllten öffentlichen Einrichtungen, vor allem in Regionen mit hoher Virusverbreitung. Die Empfehlung ist jedoch von der paradoxen Warnung begleitet, Masken könnten das Erkrankungsrisiko auch erhöhen: „Masken können auch ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln… Die allgemeine Verwendung von Masken durch gesunde Menschen in einer Gemeinschaft ist noch nicht durch qualitativ hochwertige oder direkte wissenschaftliche Beweise unterstützt, und es gibt potenzielle Vorteile und Nachteile zu berücksichtigen“ (WHO 5.6.2020).

Keine Maskenpflicht gibt es beispielsweise in Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Estland. Auch nach Auffassung der niederländischen Regierung reichen die  wissenschaftlichen Belege für eine Maskenpflicht nicht aus (DN 30.7.2020). Die deutsche Bundesregierung hat den Herstellern von Masken die Abnahme von 50 Millionen Stück pro Woche (!) über sechs Monate von August 2020 an zugesichert, ein deutlicher Hinweis auf eine zeitlich nicht begrenzte Fortschreibung der Maskenpflicht (BR 19.4.2020).

Hier einige kritische Äußerungen zu Gesichtsmasken:

  • Prof. Tom Jefferson von der Cochrane Collaboration: „Masken fungieren als Symbol für die Gesellschaft: ‚Sie sind geschützt‘. Die wissenschaftlichen Belege sagen, dass Sie es vielleicht nicht sind“ (Jefferson 17.4.2020).
  • Prof. Dr. Christian Kähler vom Institut für Aerodynamik: „Wir können uns nicht schützen, solange es kein sicheres Material gibt“. Nach seinen Untersuchungen sind Masken bei einem Abstand von unter eineinhalb Meter wirkungslos (SZ 8.5.2020).
  • Peter Walger, Infektiologe und Intensivmediziner in Bonn: „Wenn Ihnen ein Wanderer oder Jogger entgegenkommt, ist es völlig unwahrscheinlich, dass relevante Virusmengen über einen relevanten Zeitraum vom Gegenüber in Ihre Atemwege oder die eines Gegenübers kommen. Unter freiem Himmel wird die ausgeatmete Luft sofort verdünnt. Die Gefahr durch einen vorbeilaufenden Jogger dürfte … im nicht messbaren Bereich liegen“ (SZ 22.4.2020).
  • Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: „Die Wirkung einer generellen Maskenpflicht ist wissenschaftlich hoch fragwürdig – und, wenn Sie mich persönlich fragen, kulturell ist sie definitiv nicht wünschenswert… In der Summe richten sie womöglich mindestens so viel Schaden an, wie sie eventuell nutzen“ (BZ 10.5.2020).
  • Fundierte Kritik an der Maskenpflicht übt der Biologe Clemens Arvay (Arvay 31.3.2020).
  • Der Virologe Prof. Hendrik Streeck meint: „Am Anfang der Pandemie wurde ja dezidiert gewarnt vor Masken. Die Gründe dafür gelten immer noch, auch wenn sie merkwürdigerweise keine Rolle mehr zu spielen scheinen. Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen. Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze“ (NOZ 10.6.2020).
  • Nach Aussage des Hamburger Virologen Schmidt-Chanasit „ist ein Mund-Nasen-Schutz nur ein Spritzschutz für meine Umwelt, wenn ich selbst huste oder niese. Vor Aerosolen schützt die Maske nicht, die kommen auch an der Seite vorbei“ (Fokus 7.7.2020)
  • Der Neurobiologe Gerald Hüther spricht im Zusammenhang mit der Maskenpflicht von einer „Instrumentalisierung der Angst“ und vom „Schüren von Angst zur Durchsetzung bestimmter Maßnahmen“ (Hüther 6.6.2020).

Eine wegweisende Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Masken erschien am 6. Juli, zwei Monate nach Einführung der Maskenpflicht (Fikenzer 6.7.2020). Sie resümiert: „Lungenbelüftung, kardiopulmonale (=Herz-Lungen-)Belastungsfähigkeit und Wohlbefinden werden durch chirurgische Masken reduziert… Sie beeinträchtigen erheblich die Lebensqualität des Trägers“. Der vergrößerte Atemwiderstand, die vergrößerte Atemarbeit und die verringerte Sauerstoffaufnahme seien besonders problematisch bei körperlicher Arbeit und für Patienten mit Bronchialerkrankungen oder Herzproblemen. Als Kinderarzt muss man hinzufügen: auch für Kinder. Ein 10jähriger Junge aus meiner Praxis erlitt unter der Maske einen Kreislaufkollaps. In China wurden sogar Todesfälle bei Kindern gemeldet, die mit Maske Sport trieben (World.kbs.co 5.6.2020).

Auch zu den psychischen Folgen des Maskenzwangs gibt es erste Einschätzungen (HNA 6.7.2020, Prousa 1.8.2020). Bei vielen Menschen erzeugen Masken massive psychische Stresssymptome und psychovegetative Reaktionen wie Atemstörungen, körperliche Missempfindungen, Ermüdung, Herz-Kreislauf-Reaktionen und Kopfschmerzen. Die Folgen sind Vermeidungsverhalten und dadurch geringere soziale Teilhabe und Einschränkung der gesundheitlichen Selbstfürsorge. Das Tragen von Masken verstärkt vorbestandene Probleme wie Isolationsgefühle und posttraumatische Belastungsstörungen. Krankschreibungen wegen Panikstörungen oder Schlafstörungen nehmen zu. Die unklare zeitliche Perspektive der Maskenpflicht wird von vielen als zusätzlicher Belastungsfaktor erlebt.

Nicht zu unterschätzen sind auch die sozialen Folgen der Masken: Verzerrte Stimmen und fehlende Mimik begünstigen Kommunikationsstörungen. Masken verhindern das „Lesen“ des Gesichtes: „Wie meint er das überhaupt?“ (Bonelli 21.7.2020). Sie erzeugen das Gefühl, der andere könnte eine Gefahr darstellen. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass man derzeit beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln besonders oft angerüpelt wird. Das Verdecken des Gesichts macht unsichtbar und verringert das Interesse an anderen Menschen – man sieht sich nicht mehr und sieht sich nicht mehr an. Gerald Hüther hält es für unvermeidlich, dass man anderen Menschen gegenüber gleichgültig wird, wenn man ihnen nicht mehr „leibhaftig“ begegnen kann (Hüther 6.6.2020).

Die kanadische Bürgerrechtsorganisation OCLA hat die WHO aufgefordert, die Maskenempfehlung zurückzunehmen. Sie schade der öffentlichen Gesundheit und untergrabe das Gefüge der Gesellschaft. Die Studien, auf die sich die WHO neuerdings stütze, hätten einen geringen wissenschaftlichen Standard und unterlägen einem hohen Risiko von Verzerrungen denn Wissenschaftler, die unter Pandemie-Bedingungen nicht die offizielle Lesart unterstützen, riskieren Ansehen, Forschungsgelder und Karriere. Das erzwungene Tragen von Masken führe zu Angst und Stress und vergrößere dadurch das Risiko für Depressionen, Immunschwäche und schwere körperliche Krankheiten. OCLA beklagt außerdem die „unmittelbaren schädlichen Verletzungen der Bürgerrechte und der persönlichen Würde“ durch den Maskenzwang und stellt die Frage nach möglichen Langzeitschäden für die Demokratie, wenn die Bürger an staatlich erzwungene Maßnahmen gewöhnt werden, die weder wissenschaftlich ausreichend begründet sind noch vom Parlament diskutiert wurden (OCLA 21.6.2020).

Auf Kinder wirken Menschen mit Gesichtsmasken irritierend oder bedrohlich (STERN 14.3.2020). Säuglinge und Kleinkinder können regelrecht traumatisiert werden, wenn sie die Mimik der Bezugspersonen nicht sehen und deuten können (ab Minute 19:00 bei Franz Ruppert 2020sonst nicht mein Stil, aber dieses interessante Video des renommierten Traumatherapeuten fiel der Facebook-Corona-Zensur zum Opfer, daher bleibt nur die leider reißerisch verpackte Facebook-Version).

Die gesundheitlichen und emotionalen Auswirkungen des Tragens von Gesichtsmasken bei Kindern sind kaum untersucht. Bei der Recherche in medizinischen Suchmaschinen findet man sage und schreibe nur eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2011 (Roberge Sept. 2011). Es heißt darin: „Wie bei Erwachsenen kann die Toleranz von Kindern gegenüber schützenden Gesichtsmasken negativ beeinflusst werden durch eine Reihe psychophysischer Faktoren wie Atemwiderstand, Wärme- und Feuchtigkeitsansammlung, CO2-Rückhaltung, Druck auf das Gesicht, Klaustrophobie und Angstzustände…  Physiologische und psychologische Forschung sind erforderlich, um die physischen und emotionalen Auswirkungen des Tragens von schützende Gesichtsmasken bei Kindern zu klären“. Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist umso dringender, als derzeit alle über sechsjährigen Kinder in verschiedensten Situationen zum Tragen von Masken verpflichtet sind – für jeden, der ein Herz für Kinder hat, ein schwer zu ertragender Anblick.

Kleinkinder und Grundschulkinder fassen ihre Masken häufig an und müssten sich nach den offiziellen Empfehlungen stündlich zig Male die Hände waschen (Boston Herald 22.6.2020). Für Säuglinge und Kleinkinder sind Gesichtsmasken geradezu lebensgefährlich.

Kinderarztverbände lehnen eine Maskenpflicht für Kinder ab (BVKJ 28.4.2020). Vier große medizinische Fachverbände haben die Wiederöffnung von Kindergärten und Schulen ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln gefordert (SPIEGEL 19.5.2020).

Dessen ungeachtet wird in vielen Bundesländern ab dem Schuljahr 2020/21 eine Maskenpflicht für Schüler aller Klassen eingeführt, bis hin zum Platz im Klassenzimmer. Bei steigenden Infektionszahlen soll das dann auch während des Unterrichts gelten (BR 31.7.2020). In NRW sollen die Schüler in weiterführenden Schulen von vorneherein auch während des Unterrichts Masken tragen, also viele Stunden ohne Unterbrechung – bei Ungehorsam droht Schulausschluss (SPIEGEL 3.8.2020,  RP 5.8.2020). Das empfehlen auch Wissenschaftler der Leopoldina, u.a. der Charité-Virologe Christian Drosten und der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler (Tagesschau 5.8.2020), sowie eine Gruppe von Virologen, unter ihnen wiederum Christian Drosten (Presseraum 8.8.2020).

Abgesehen davon, dass unter solchen Umständen eine geregelte Kommunikation in einer Schulklasse nicht vorstellbar ist, dürfte der psychische Schaden für die Kinder und Jugendlichen erheblich sein. Auf dem Rücken bzw. im Gesicht der Kinder findet hier auch eine politische Instrumentalisierung der Masken statt: je mehr, desto Kanzler. Laschet gegen Söder (WDR 3.8.2020).

In einem offenen Brief haben sich über 100 Mediziner, Sozialarbeiter und Lehrer aus ganz Deutschland an die Bildungsministerin von NRW gewandt. Die Unterzeichner drücken darin ihre Sorge aus, dass sich die Maskenpflicht an den Schulen negativ auf die Entwicklung und Psyche der Kinder auswirken könnte. Für junge Schüler sei es sehr wichtig, Gesicht und Mimik ihres Gegenübers sehen zu können. Die Maskenpflicht könne Angststörungen, Waschzwang oder Schlafstörungen verstärken. Die Unterzeichner fordern eindeutige Nachweise für den Nutzen einer Maskenpflicht und wollen juristische Schritte prüfen. 

Der Verein „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V.“ ruft Ärzte dazu auf, großzügig Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht an Schulen auszustellen (MWGFD Infomaterial).

 

Die Impfung gegen Coronavirus: Probleme und Risiken

Ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2, der zumindest ansatzweise auf seine Sicherheit geprüft ist, ist nach Einschätzung von Experten nicht vor Mitte 2021 zu erwarten – falls es überhaupt soweit kommt. Einige Wissenschaftler, unter anderem Prof. David Nabarro, einer der führenden COVID-19-Experten und Sonderbeauftragter der WHO, halten es für fraglich: „Man kann nicht gegen jedes Virus eine sichere und effektive Impfung entwickeln.“ Nabarro kritisiert die Bedeutung, die dem Impfstoff zugeschrieben wird, und meint, wir sollten eher lernen, mit dem Virus zu leben (heute 20.4.2020). Auch der Virologe Prof. Hendrik Streeck hat sich in diese Richtung geäußert (Merkur 25.4.2020). Der Münchner Virologe Oliver Keppler sagt: „Die Impfstoffentwicklung könnte Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte dauern. Es ist auch nicht gesagt, dass es überhaupt einen hocheffektiven und sicheren Impfstoff geben wird“ (tagesschau 11.6.2020). Ähnlich äußerte sich der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Es sei extrem unwahrscheinlich, dass ein Impfstoff für sämtlich Altersgruppen – von Kindern bis zu hochbetagten Senioren – zugelassen werde (Handelsblatt 27.7.2020).

Durch die Ähnlichkeit von Virusproteinen mit menschlichen Proteinen könnte eine Coronavirus-Impfung zu Autoimmunreaktionen führen. Die schon früher entwickelten SARS-Coronavirus-Impfstoffe verursachten im Tierversuch wenige Tage nach einer gezielten Infektion mit Coronaviren schwere autoimmune Lungenerkrankungen (Tseng 20.4.2012).

Bei den meisten Impfstoffkandidaten werden zudem riskante neuartige Technologien eingesetzt, bei denen es bisher keine klinische Erfahrungen am Menschen gibt: Impfstoffe mit DNA-Molekülen, Boten-RNA oder viralen Vektoren („Genfähren“), die in menschlichen Zellen eingeschleust werden, dort die Produktion von Impfantigen starten und damit die gewünschte Abwehrreaktion auslösen. Auch hierbei gibt es das Risiko gravierender Nebenwirkungen, etwa von Thrombosen oder schweren entzündlichen Veränderungen des Lungengewebes (SAEZ 1.7.2020, Arvay 3.5.2020). Der Pharmakologe Prof. Stefan Hockertz gibt zu bedenken: „Wir wissen nicht, in welche Zellen dieses genetische Material des Virus  geht, wir wissen nicht, wie lange es abgelesen wird, wir haben keine Möglichkeit, die Ablesung zu stoppen. Wir wissen auch nicht, wo das genetische Material des Virus eingebaut wird. Und wir wissen insbesondere nicht, ob nicht auch in den Keimzellen… dieses genetische Material eingebaut und damit vererbt wird“ (Hockertz 11.7.2020).

Untersuchungen zur Sicherheit von Impfstoffen, insbesondere was Langzeitnebenwirkungen betrifft, dauern normalerweise mehrere Jahre. Die beschleunigte Entwicklung und Zulassung an den etablierten Sicherheitsstandards vorbei (fast-track-Zulassung“), die in Deutschland durch die Novelle des Infektionsschutzgesetzes ermöglicht wurden, vergrößern das Risiko, dass  Langzeitnebenwirkungen übersehen werden. Das wäre ein unverantwortlicher Verstoß gegen das Vorsorgeprinzip (SAEZ 1.7.2020, SZ 18.5.2020). Die Haftung des Staates für Impfschäden ist nur ein schwacher Trost für Menschen, die dauerhafte Gesundheitsschäden erlitten haben.

Die Deutschen Gesellschaften für Virologie und Immunologie fordern auch in der aktuellen Situation, „jeden neuen Impfstoff hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ausreichend und sorgfältig zu prüfen Schutzwirkung und Verträglichkeit der Impfstoffe müssen in kontrollierten, ausreichend umfangreichen Tierversuchen und klinischen Studien untersucht worden sein, bevor eine breite Anwendung in der Bevölkerung denkbar ist, wobei weitere Studien auch nach der Zulassung erforderlich sein werden“ (GFV 8.5.2020).

Die von manchen Virologen und Politikern geforderte Außerkraftsetzung von Regularien wurde bereits in die Tat umgesetzt: In den USA wurden Menschen geimpft, bevor überhaupt Tierversuche gemacht wurden, und für zwei Impfstoffkandidaten wurde ein beschleunigtes Zulassungsverfahren genehmigt (SZ 13.7.2020). Ein indischer Pharmakonzern möchte sogar schon im August 2020 nach einer Phase III-Studie von nur vier Wochen Dauer einen Impfstoff auf den Markt bringen (SPIEGEL 17.3.2020, Tagesschau 5.5.2020, FAZ 5.7.2020). Britische Wissenschaftler wollten Versuchspersonen sogar absichtlich mit SARS CoV2 infizieren, weil die Impfstoffwirksamkeit wegen des Rückzugs der Pandemie nicht mehr durch natürliche Ansteckung geklärt werden kann (Guardian 24.5.2020).

Jonas Schreyögg, Mitglied des Sachverständigenrats für Gesundheit, warnt vor der Vorstellung, dass die Pandemie vorbei ist, sobald es einen Impfstoff gibt. Selbst wenn es gelinge, einen sehr effektiven Impfstoff zu entwickeln, bedeute dies nicht, dass es schnell zu einer Herdenimmunität komme. Ähnlich wie beim jährlichen Grippeimpfstoff könnte auch die Corona-Impfung gerade in höheren Altersstufen weniger effektiv sein (SZ 12.7.2020).

Unabsehbar ist auch die zeitliche Dimension, auf die Schrappe et al. hinweisen: „Selbst wenn man die Herkulesaufgabe schultern könnte, pro Arbeitstag 60.000 Impfdosen zu verabreichen, würde man 1000 Arbeitstage (ca. 4 Jahre) benötigen, um die Bevölkerung in Deutschland zu impfen. Dabei sind in einem solchen Szenario zahlreiche Dinge noch gar nicht berücksichtigt, z.B. die Gabe der zweiten Impfdosis, die Zahl der (behandlungsbedürftigen) Nebenreaktionen oder gar die internationale Konkurrenz um den Impfstoff“ (Schrappe 3.5.2020).

Ein großes ethisches Problem, das eine allgemeine Impfempfehlung und vielmehr noch eine Impfpflicht von vorneherein verbietet, ist die Tatsache, dass ein großer Teil der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 immun ist. Man würde diese Menschen völlig unnötig einem Impfrisiko aussetzen.

Der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung hat Ende April 2020 ein Positionspapier zu Impfstoffentwicklung und Impfpflicht veröffentlicht (ÄiI 27.4.2020). In Großbritannien fordern Ärzte von ihrer Regierung volle Transparenz in Bezug auf Nutzen und Risiken möglicher Impfstoffe, die Veröffentlichung der Rohdaten der Impfstudien, die Untersuchung der natürlichen Immunität gegen SARS-CoV-2 in der Bevölkerung und einen demokratischen Prozess bei der Einführung der Impfung (ANH 29.4.2020).

Politiker wie Robert Habeck oder Markus Söder haben trotz aller Unsicherheiten eine Impfpflicht gefordert – in der medizinischen Fachsprache würde man das eine Ejaculatio praecox nennen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich zwar dagegen ausgesprochen: „Überall da, wo wir durch Bereitschaft und gutes Argumententieren zum Ziel kommen, braucht es aus meiner Sicht keine Pflicht“ (Handelsblatt 29.4.2020). Das muss man sich aber auf der Zunge zergehen lassen, nachdem er die Masernimpfpflicht trotz 97% freiwilliger Impfbeteiligung für notwendig gehalten hat. Nach Ansicht des Deutschen Ärzteblattes wäre eine Impfpflicht rechtlich möglich (Dtsch Ärztebl 8.6.2020). RKI-Vize-Präsident Lars Schaade meint, ohne Impfstoff werde es keine Rückkehr zur Normalität geben (deutschland.de 21.4.2020; Rabe 21.4.2020). Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder haben sich in diese Richtung geäußert. Sogar im Eckpunktepapier zum Konjunkturpaket der Koalition von Anfang Juni 2020 heißt es: „Die Pandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung steht“ (BMF 3.6.2020).

Es führt zu einer schwerwiegenden Beschädigung der Demokratie und des sozialen Gefüges, wenn die Geltung der Grundrechte von einem in Eile entwickelten und riskanten Impfstoff abhängig gemacht wird.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die EU und die Bill und Melinda Gates Stiftung haben eine Initiative zum Kampf gegen das Coronavirus und Entwicklung eines Impfstoffs gestartet. Kanzlerin Merkel sicherte einen „substantiellen Beitrag“ Deutschlands zu und sagte, die Covid-19-Pandemie sei „die größte Herausforderung seit Jahrzehnten“ (Bundesregierung 24.4.2020) – erstaulich, wie schnell die globale Erwärmung auf die Plätze verwiesen ist. Die Bill und Melinda Gates Stiftung hat ihre Duftmarken bereits durch hohe Zuwendungen an die WHO, das Robert-Koch-Institut, die Virologie der Charité Berlin und die John Hopkins University gesetzt (BMGF Abruf 1.5.2020). Öffentliche, steuerfinanzierte Institutionen sollten solche unanständigen Zuwendungen ablehnen, um nicht Verschwörungstheorien zu befeuern. Dasselbe gilt auch für Presseorgane wie den SPIEGEL oder die ZEIT.

Das Wettrennen um die Milliarden-Profite ist in vollem Gang und kennt keine ethischen Schranken. Der Pharma-Multi Astra Zeneca produziert mit Unterstützung von WHO und Bill Gates schon mal 2 Milliarden Impfdosen gegen SARS CoV2. „Obwohl die Wirksamkeit noch nicht erwiesen ist, wird die Produktion weiter vorangetrieben, um die Zeitspanne bis zur Versorgung zu verkürzen.“ (BI 7.6.2020). Mitte Juni 2020 haben die EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande bei Astra Zeneca 400 Millionen Impfdosen bestellt (börse-ard 14.6.2020). Der weltgrößte Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline und das Emirat Katar sind beim deutschen Unternehmen CureVac eingestiegen, um an dessen technologischen Vorsprung und den zu erwartenden Gewinnen teilzuhaben (Handelsblatt 21.7.2020). Die Mainzer Firma Biontech und der US-Pharmariese Pfizer forschen gemeinsam an zwei mRNA-Corona-Impfstoffen. Die USA haben für die beiden Impfstoffkandidaten ein beschleunigtes Zulassungsverfahren zugesichert und schon mal 100 Millionen Dosen bestellt (DAZ 14.7.2020).
Die Corona-Pandemie ist ein Schlüsselereignis, bei dem ohne große Widerstände bzw. sogar mit erheblicher öffentlicher Unterstützung neuartige, riskante Impftechnologien entwickelt und massenhaft eingesetzt werden können.
Mit zunehmendem Bekanntwerden der Umstände bei der Impfstoffentwicklung  – überstürzte Entwicklung ohne Regularien und ausreichende Sicherheitstandards, Gerangel um die Vermarktung – sinkt die Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Mitte Juli 2020 waren nur noch 61 Prozent der deutschen Bevölkerung bereit sich impfen zu lassen, aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen der künftigen Impfstoffe (SZ 12.7.2020).

Politik und Panik

Auf Grund dramatischer Presseberichte (Kritik daran z.B. bei Frank 22.3.2020) wurden viele Bürger von Panik vor einer möglicherweise für sie tödlichen Erkrankung erfasst. Ein erwünschter Effekt, wie dem Strategiepapier des Innenministeriums zur Coronakrise zu entnehmen ist: „Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden“ (Abgeordnetenwatch 7.4.2020). Bundeskanzlerin Angela Merkel übte sich noch am 20. April in Kriegsrhetorik und sagte: „Wir dürfen uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen“. Was ist das für eine Botschaft? Wer will in einer solchen Gesellschaft leben? Will man uns suggerieren, dass absolute Sicherheit möglich ist, und dass eine Regierung dafür sorgen kann, wenn man ihr blind vertraut?

Die ständig aufgewärmte Panik trieb und treibt wie ein Durchlauferhitzer die Politiker dazu an, sich in ihren Maßnahmen gegenseitig zu überbieten. Je drastischer die verordnete Kur, umso höher die Beliebtheit. Vor allem der bayerische Ministerpräsident schwimmt auf dieser Welle und verkündete: „Corona ist und bleibt absolut tödlich“ (Merkur 17.6.2020).

Mäßigende Stimmen finden in dieser Aufwärtsspirale kein Gehör mehr. Schon frühzeitig mahnte der Psychologe und Philosoph Prof. Harald Walach dringend zum „Abstand zur Panik“ (Walach 22.3.2020). Prof. Klaus Püschel sagte: „Wenn wir diesem Virus, dieser Angst so viel Raum geben, dann hat das am Ende größere gesellschaftliche und medizinische Folgen, als die Krankheit selbst“ (Focus 24.4.2020).

Eltern wurden in Panik versetzt durch Meldungen, Kinder könnten nach COVID-19 eine schwere Nacherkrankung erleiden, das Kawasaki-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Blutgefäßentzündung, die ein ähnliches Krankheitsbild verursacht wie eine Masernerkrankung und in seltenen Fällen auch das Herz befällt. In Deutschland erkranken daran jährlich 400 bis 500 Kinde; die Prognose ist sehr gut. Seit Jahren wird das Kawasaki-Syndrom in Verbindung mit Coronaviren gebracht, und diese Viren machen zwischen 5 und 35% aller Atemwegsinfekte aus (Esper 2005). Im Grunde also nichts Neues. In Deutschland gab es keine Häufung von Kawaski-Erkrankungen (Dtsch. Ärzteblatt 24.5.2020). Ende Mai wurde dann berichtet, dass Coronaviren in der Muttermilch gefunden wurde – bei einer(!) von zwei stillenden Müttern (SWR 27.5.2020). Im Juli kam die Nachricht über ein Neugeborenes auf die Titelseiten, das mit SARS CoV2 infiziert war (BILD 15.7.2020). Mitte Juli meldeten dann die Medien unisono, dass nach COVID-19 mit Langzeitfolgen zu rechnen ist (SPIEGEL 13.7.2020: „Viele Covid-19-Patienten haben noch Wochen später Beschwerden„. BR 20.7.2020: „Corona-Spätfolgen: Neurologische Schäden auch bei mildem Verlauf„). Erst im Kleingedruckten wurde dies relativiert, und man erfuhr, dass das auch bei anderen Viruserkrankungen vorkommt.

Welchen anderen Zweck haben derartige Meldungen als das Panikniveau hochzuhalten?

Für jedermann greifbar sind inzwischen die Auswirkungen des hohen Panikniveaus und des „Social Distancing“ auf die Psyche der Menschen: Die Gereiztheit, wenn man jemandem aus Versehen zu Nahe kommt; die Zerwürfnisse zwischen ehemals guten Freunden; die Denunziationen; die aggressive Stimmung in den sozialen Medien, die Hexenjagd auf Andersdenkende (Bonelli 9.7.2020). Psychologen konstatieren eine Zunahme von Angststörungen, Depressionen, Misstrauen und Aggressivität (Sønderskov Apr 2020). Der Leipziger Kinder- und Jugendpsychologe Prof. Julian Schmitz sagte in einem Interview mit dem ZDF: „So eine anhaltende Kontaktsperre hat nicht nur ökonomische Auswirkungen, sondern beeinflusst auch die psychische Gesundheit negativ. Die Mehrzahl wird da sicherlich gesund herauskommen. Aber man kann davon ausgehen, dass vielleicht fünf Prozent im Zuge von Corona eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung bekommen – alles neue Patienten in einem System, das schon vorher stark überlastet war“ (ZDF 14.4.2020). Sogar das Bundesinnenministerium selbst warnte in einem Strategiepapier vor den psychosozialen Effekten der Coronavirus-Krise: Aggressivität und Verrohung, Anstieg häuslicher Gewalt, Denunziantentum, posttraumatische Belastungsstörungen, steigender Alkoholkonsum sowie Zunahme von Selbstmorden (Tagesspiegel 10.4.2020). Während des Lockdowns kam es tatsächlich zu einem markanten Anstieg häuslicher Gewalt. Nach Angaben der Gewaltschutzambulanz der Charité stieg die Zahl der dort registrierte Kindesmisshandlungen um 23 Prozent (rbb 2.7.2020).

Die Frage ist: Wie kommen wir aus dieser chronischen Paniksituation wieder heraus? Wann werden sich die Menschen wieder unbefangen begegnen können, ohne den Hauch des Todes in der Atemluft des anderen zu vermuten?

Die politischen Beschlüsse zu Lockerungen sind, abgesehen von dem uneinheitlichen Vorgehen der verschiedenen Bundesländer, zögerlich, zerfahren und oft nicht nachvollziehbar. Im Grunde erweist sich jede „Lockerung“, auf die nicht innerhalb von zwei Wochen eine Zunahme von Krankheitsfällen folgt, im Nachhinein als unnötig. Besonders zu erwähnen sind hier die großen und im Grunde nicht genehmigten Demonstrationen in Stuttgart, Hamburg und München, die zu keiner nachweisbaren Zunahme der Erkrankungsziffern geführt haben (DLR 18.7.2020). Wenn man sich die aktuellen Lageberichte des Robert-Koch-Instituts ansieht (RKI), fragt man sich, warum die Regierung unbeirrt weiter an Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen arbeitet. Sie will künftig „zielgenaue Maßnahmen„, etwa „lokale Ein- und Ausreisesperren“ verhängen, „wenn die Zahl der Infektionen weiter steigt oder es keine Gewissheit gibt, dass die Infektionsketten bereits unterbrochen sind“ (Tagesschau 16.7.2020).

Die Medien als „vierte Gewalt“ im Staat versagen während der Corona-Krise auf ganzer Linie. Die Mehrzahl der tonangebenden Medien – von den ARD bis hin zur Süddeutschen Zeitung (vom SPIEGEL ganz zu schweigen) – sieht sich ganz der Regierungslinie und dem Kampf gegen das Virus verpflichtet. Alles andere wird weitgehend ausgeblendet, Kritiker werden ignoriert oder diffamiert, Schlagzeilen und Berichte sind ganz offensichtlich tendenziös: „Statt Argumente auszutauschen und als Forum einer durch Pluralität herzustellenden Lösungsoptimierung zu dienen, ergreifen die Medien selbst Partei, definieren die Wahrheit und das Vernünftige und gerieren sich als quasi regierungsamtliche Verkünder der richtigen Linie. Der Fakten-Check wird zur Selbstlegitimation – dass es zu zahlreichen Fragen durchaus berechtigte, differierende Gesichtspunkte gibt (mit erheblicher Lösungskompetenz) wird ausgeblendet“ (Schrappe 29.06.2020).

 

Kinder: Opfer der Pandemie-Maßnahmen

Kinder gehörten und gehören zu den Hauptleidtragenden der Pandemie-Maßnahmen. Sie standen mit im Fokus bei der Strategie, eine Schockwirkung zu erzielen: „Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann“ (Abgeordnetenwatch 7.4.2020).

Kinder können sich keinen Begriff machen von den Gründen für die Hygieneregeln in Kindergärten und Schulen oder für das Verbot des Kontakts mit Verwandten. Der Neurobiologe Gerald Hüther warnt davor, dass natürliche Bedürfnisse der Kinder „weggehemmt“ werden, beispielsweise durch das Verbot, ihre Großmutter zu sehen; die Kinder könnten schließlich gar kein Bedürfnis mehr dazu haben (Hüther 6.6.2020).

An manchen Schulen dürfen die Kinder in den Pausen nicht miteinander sprechen, in manchen KiTas dürfen sie das nur mit gesenktem Kopf. Sie werden ständig gemaßregelt („Abstand halten!“) und mit Verweisen und Schulausschluss bedroht.Unsere Grundschulen sind zu Albträumen geworden. Die Propagierung von Distanz ist das soziales Experiment einer Dystopie auf globaler Ebene, kultur- und völkerübergreifend, das nun zur Routine werden soll (OCLA 21.6.2020).  Manche Gesundheitsämter ordnen im Rahmen einer Quarantäne zusätzlich die häusliche Isolation der betroffenen Kinder an – sie müssen zu Hause in einem gesonderten Raum untergebracht werden, Mahlzeiten alleine einnehmen und bei Kontakt Masken tragen. Bei Nichtbefolgung wird eine zwangsweise Absonderung des Kindes in einer geschlossenen Einrichtung und ein hohes Bußgeld angedroht. Es werden bereits Fachkräfte für Inobhutnahmen gesucht (OP 30.7.2020, BILD 6.8.2020, DM 6.8.2020). Es ist nicht zu fassen, zu welchen Grausamkeiten das Diktat des Gesundheitsschutzes führt. Peter Dabrock, Vorsitzender des Ethikrats, bezeichnet die soziale Isolation von Kindern als schweren Eingriff in die Grundrechte von Kindern (br24 7.4.2020).

Höchste Priorität im Bildungsbereich haben die neuen Lerninhalte: Abstand halten, Händewaschen, Alltagsmasken („AHA“). Neue Lernziele: Nicht angesteckt werden, niemanden anstecken. Neue Lernumgebung: Isolation, Quarantäne, Online-Schule.

So entsteht die eine Generation von Kindern mit einem erhöhten Risiko für Angstkrankheiten, Kontaktstörungen, Zwangsstörungen, Depressionen, Mediensucht und Immunschwäche.
Nach einer Umfrage des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sind mehr als 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten wie Stress, Angst und Depressionen hat sich fast verdoppelt. Viele Kinder leiden unter Einschlafproblemen oder klagen über Kopf- und Bauchschmerzen. Sie essen mehr Süßigkeiten und machen weniger Sport. Durch die Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und Homeschooling verbringen Kinder und Jugendliche deutlich mehr Zeit mit sozialen Medien und Online-Spielen. Experten befürchten, dass durch die Pandemie die Computerspielsucht zunimmt (NZZ 29.7.2020). Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien (NDR 10.7.2020).

Kindergarten- und Schulschließungen sowie Hygieneregeln und Quarantäne für Kinder gefährden die seelische Gesundheit einer ganzen Generation, mit ungeahnten Langzeitfolgen für das soziale Miteinander. 

Dies ist um so bitterer, als Kinder für die Übertragung von SARS CoV2 kaum eine Rolle spielen (Heavey 28.5.2020, SWR 16.6.2020, Posfay-Barbe 1.7.2020). Die Preprint-Studie der Grupppe um Christian Drosten, in der das Gegenteil behauptet wurde und mit der die fortgesetzten Schulschließungen begründet wurde, enthielt gravierende Fehler. Die Autoren überarbeiteten ihre Veröffentlichung, nachdem ihnen von der Wissenschaftsgemeinde die Rücknahme nahegelegt wurde (Spiegelhalter 25.05.2020).

Kinder sind nicht Treiber der Pandemie, sondern eher Bremser, und „Schulen sind nicht die Hauptverbreitungsorte des Virus“ (FAZ 13.07.2020, SZ 13.7.2020). Trotzdem besteht der erste Reflex bei lokalen Infektionsausbrüchen immer noch darin, Kindergärten und Schulen zu schließen (Dlf 19.6.2020). Nach Meinung von Heribert Prantl sind die meisten Eltern inzwischen zu erschöpft, um sich gegen solche Maßnahmen zu wehren (SZ 21.6.2020).

Es gibt keine rationale Begründung für die wochen- bis monatelange Aussetzung oder Kürzung des Schulunterrichts oder für die Abschaffung der Schulbesuchspflicht, wie sie etwa in Baden-Württemberg für das Schuljahr 2021/21 vorgesehen ist (News4teachers 8.7.2020). In den meisten nordeuropäischen Ländern, aber auch in Irland und der Schweiz fand bereits im April 2020 wieder ein geregelter Schulunterricht statt, ohne irgendwelche negative Folgen. Ein Vergleich zwischen den strengen Schulschließungen in Finnland und der liberalen Politik Schwedens lässt keinen Unterschied in den COVID-19-Erkrankungsraten bei Schülern oder Lehrern erkennen (PHA Sweden 2020). Auch die Öffnung der Schulen in Belgien und Österreich führte zu keinen COVId-19-Ausbrüchen (Science 7.7.2020).

Ein Review im Deutschen Ärzteblatt zieht die Bilanz: „In Settings, in denen die Schulen geöffnet blieben, oder bei der Verwendung von Daten, die vor den Schulschließungen erhoben wurden, finden sich kaum Hinweise auf Ausbrüche oder eine größere Übertragung in die Bevölkerung… Politische Entscheidungen wie beispielsweise die Wiederöffnung von Schulen betreffen mehr als die bloße Frage der Viruslast. Sie fußen vielmehr auf komplexen Überlegungen, um in einem von Angst und Unsicherheit geprägten weiten Kontext Risiken und Nutzen auszubalancieren. Schulschließungen wirken sich negativ auf die geistige, schulische, ernährungsbezogene und soziale Entwicklung aus und unterbrechen Beziehungen zwischen Kindern, Gleichaltrigen und Familien. Am stärksten treffen sie Kinder mit Behinderungen und aus marginalisierten Haushalten, wodurch sich Ungleichheiten weiter verschärfen(Merckx Dtsch Ärztebl Aug. 2020).

Die Organisation „Familien in der Krise“ fordert die Rechte von Familien und Kindern während der Corona-Krise ein. Der bayerische Ableger fordert in einer Petition eine verlässliche Bildungs- und Betreuungssituation. Außerdem führt er zusammen mit der Initiative „Eltern in der Krise“ und der Bloggerin Sonja Alefi eine Umfrage durch zur Maskenpflicht im Schulen.

Medizinische Fachverbände, etwa die der Kinder- und Jugendärzte, fordern die uneingeschränkte Öffnung von Schulen und KiTas – ohne Kleingruppen, ohne Maskenpflicht, ohne Abstandsregeln, denn die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Schließungen seien gravierend (SPIEGEL 19.5.2020). Zehn bis zwanzig Prozent der Kinder werden durch das „Lernen zu Hause“ nicht erreicht und fallen aus dem Bildungssystem (NDR 19.5.2020). Bei einer Umfrage unter Kinderärzten war die große Mehrheit gegen erneute Schulschließungen. Mit dem Infektionsrisiko durch Kinder müsse eine Gesellschaft leben (Dtsch Ärztebl 5.8.2020).

Schulschließungen und Quarantäne sind nicht nur ein Verstoß gegen die Kinderrechte und das Menschenrecht auf Bildung, sondern auch ein herber Rückschlag für die Emanzipation: Im Regelfall sind es die Mütter, die zu Hause bleiben und ihren Kindern das Online-Pflichtprogramm der Schulen vermitteln. Und wenn  Kinder jetzt wegen irgendwelcher Beschwerden – und sei es, das Kind „wirkt etwas blass“ – von der KiTa oder der Schule wieder nach Hause geschickt werden, sind es ebenfalls meist wieder die Mütter, die den Arbeitgeber um unbezahlten Urlaub bitten müssen (Tagesspiegel 9.7.2020SZ 10.7.2020).

Kindergärten und Schulen müssen sofort wieder bedingungslos geöffnet werden ohne die psychologisch und pädagogisch verheerenden Auflagen zum Tragen von Masken, zu ständigem Händewaschen und zu sozialer Distanz.

Für Prof. Hendrik Streeck ist virologisch zur Frage der Schulöffnung alles gesagt: „Lehrer jedenfalls haben kein höheres Infektionsrisiko als andere Berufsgruppen, die in vergleichbarer Weise mit Menschen arbeiten“ (NOZ 10.6.2020). Dies wird durch eine schwedische Studie bestätigt  (PHA Sweden 2020). Dennoch stufen sich bis zu 20 Prozent der LehrerInnen, und in manchen Regionen sogar noch mehr, als Angehörige einer Risikogruppe ein, deutlich mehr als andere Berufsgruppen wie KrankenpflegerInnen oder PolizistInnen (BZ 20.6.2020).

Wie absurd und kinderfeindlich die Pandemie-Maßnahmen für Kinder sind, zeigt exemplarisch die Empfehlung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (kindergesundheit-info.de). Unter „Mund-Nasenschutz für Kinder 0 – 6 Jahre“ heißt es dort:

  • üben Sie mit Ihrem Kind und auch mit der ganzen Familie vor einem Spiegel das Anziehen, Tragen und Ausziehen des Mund-Nasen-Schutzes,
  • gehen Sie mit ihm spazieren und probieren Sie das etwas längere Tragen aus, ohne sich ins Gesicht zu fassen.
  • Ihr Kind kann seinem Lieblingsstofftier oder Puppe eine selbst gestaltete Maske anziehen,
  • nähen oder basteln Sie zusammen mit Ihrem Kind Schutzmasken und dekorieren Sie sie nach seinem Geschmack – ohne die Funktion zu beeinträchtigen,
  • schauen Sie sich zusammen Bilder mit Kindern an, die einen Mundschutz tragen,
  • lassen Sie es Kinder, Puppen oder Tiere mit Mundschutz malen,
  • tragen Sie selbst auch mal zu Hause einen Mundschutz, damit sich Ihr Kind schneller daran gewöhnen kann.

Auf ähnlichem Niveau steht auch die Darstellung der neuen Normalität von Kleinkindern in einem Playmobil-Video. Derartige Blüten treiben vielen Eltern die Tränen in die Augen.

 

Unterwegs in eine Hygiene-Diktatur?

Grundrechte heißen Grundrechte, weil sie gelten, weil sie auch in katastrophalen Fällen gelten“ (Heribert Prantl, ZDF 20.4.2020)

Mit deutscher Gründlichkeit und im Hauruck-Verfahren wurde Ende März 2020 das Infektionsschutzgesetz verschärft – wobei sich wohl viele gewundert haben, welche Einschränkungen schon nach der vorherigen Gesetzeslage möglich waren. Gemäß der Novelle des Infektionsschutzgesetzes vom 25.3.2020 haben wir nun während einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ eine neue Form des Ausnahmezustands, der dem Bundesgesundheitsministerium zahlreiche Machtbefugnisse zusichert (SZ 25.3.2020). Es hat nun beispielsweise die Möglichkeit, unzureichend getestete Arzneimittel und Impfstoffe auf den Markt zu bringen oder ÄrztInnen, KrankenpflegInnen und MedizinstudentInnen zwangsweise zu rekrutieren. Die Gesundheitsbehörden können Daten von Reisenden erfassen und bei ihnen ärztliche Untersuchungen wie etwa Rachenabstriche anordnen, was seit 27. Juli 2020 für Rückreisende aus „Risikogebieten“ gilt (Tagesschau 27.7.2020). Auch die verhängten Ausgangssperren wurden in dem Gesetz nachträglich legalisiert (LTO 25.3.2020).

Die alleinige Ermächtigung des Gesundheitsministers hat zur Folge, dass die übrigen Regierungsmitglieder, die für weitere Grundrechte zuständig sind, und auch der Bundesrat von den politischen Entscheidungen ausgeschlossen sind. An ihre Stelle treten willkürlich zusammengesetzte Expertenrunden.

Bürgerrechtler und Datenschützer sind entsetzt über die Außerkraftsetzung der Grundrechte (etwa GFF 23.3.2020 oder BFDI 24.3.2020). Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hält die Ermächtigungen, die dem Bundesgesundheitsministerium zugestanden werden, für verfassungsrechtlich „erheblich problematisch“ (zm online 9.4.2020). Für den Berliner Staatsrechtler Prof. Clemens Arzt „stinken“ Teile des Gesetzes „in den Himmel“ (ZEIT 30.3.2020). Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans Jürgen Papier nennt die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen „schwerwiegende Grundrechtseingriffe“. Seiner Ansicht nach rechfertigen Notlagenmaßnahmen nicht die „Außerkraftsetzung von Freiheitsrechten zugunsten eines Obrigkeits- und Überwachungsstaate“ (Focus 30.3.2020). In einem späteren Streitgespräch im SPIEGEL betonte er, in der Krise seien nicht die Maßnahmen der Lockerung rechtfertigungsbedürftig, sondern die Aufrechterhaltung von Beschränkungen der Grundrechte (SPIEGEL 1.5.2020). Der Göttinger Verfassungsrechtler Hans Michael Heinig warnt davor, „dass sich unser Gemeinwesen von einem demokratischen Rechtsstaat in kürzester Frist in einen faschistoid-hysterischen Hygienestaat“ verwandeln könnte (Focus 30.3.2020). Eine kranke, gespaltene Gesellschaft, in jeder dem anderen mistraut, in der jeder den anderen anpöbelt. Divide et impera.

Die Juristin Jessica Hamed zählt in der Frankfurter Rundschau die zahlreichen Freiheitsgrundrechte auf, die verletzt werden (FR 26.3.2020). Das betrifft in erster Linie die Grundrechte der Freiheit der Person (Artikel 2 Grundgesetz), der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Grundgesetz), der Freizügigkeit (Artikel 11 Grundgesetz), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 Grundgesetz). Eingeschränkt ist auch das Briefgeheimnis und das Post- und Fernmeldegeheimnis, denn schriftliche Mitteilungen von infizierten Personen können durch Behörden oder medizinischen Stellen gelesen und ausgewertet werden. Eingeschränkt ist weiter die Unverletzlichkeit der Wohnung, denn ein Arzt darf einen Infizierten, der sich in Quarantäne befindet, zwangsweise in dessen Wohnung aufsuchen und behandeln, und die Polizei darf eine Wohnung stürmen, wenn sie darin unerlaubte Besucher vermutet. Für polizeiliche Ermittlungen wurden auch schon Corona-Gästelisten von Restaurants beschlagnahmt (OVB 21.7.2020).

Ein gravierender Eingriff in die Grundrechte ist die Anordnung einer Quarantäne. Sie erfolgt in der Regel auf Verdacht oder auf Grund eines positiven PCR-Tests (der kein Beweis für Infektiosität ist). Sie bedeutet 14 Tage Verbot, die Wohnung zu verlassen – die maximale Inkubationszeit bis zum Krankheitsausbruch. Teilweise wird sogar Isolation innerhalb der Familie verlangt, auch bei Kindern (NDR 7.8.2020). In der Schweiz, in Österreich, Norwegen und Spanien gilt eine Quarantäne von 10 Tagen. Viren werden nicht länger als neun Tage nach Beginn einer Erkrankung ausgeschieden (RKI 24.7.2020, Cevik 29.7.2020).

Während des Coronaausbruchs im Großschlachthof Tönnies wurden Tausende Arbeiter aus Südosteuropa über vier Wochen in Quarantäne gehalten. Bei mehreren Hundert von ihnen wurden anschließend noch ein drittes Mal eine 14tägige Quarantäne verordnet, obwohl es weder positive Tests noch Krankheitssymptome gab. Hier zeigt der Hygienestaat sein unmaskiertes Gesicht. Der offensichtliche Akt von Freiheitsberaubung wurde ausgerechnet an Menschen begangen, die für die Produktion billiger Lebensmittel ausgebeutet werden, und die in ihren Herkunftsländern Opfer rassistischer Diskriminierung sind (Merkur 24.6.2020, Tagesschau 30.7.2020). Bereits Mitte Juni war es in Berlin zu einem ähnlichen Fall schikanöser, gegen eine europäische Minderheit gerichteter Quarantäne gekommen (taz 18.6.2020). Kinder sind ebenfalls Opfer von Quarantänemaßnahmen, die den Charakter von Willkür und Kindswohlgefährdung haben (SK 27.7.2020, OP 30.7.2020).

Selbst das Demonstrationsrecht wurde in einigen Bundesländern außer Kraft gesetzt – der letzte Hebel, den die Bürger noch haben, um ihre Meinung öffentlich auszudrücken. Bundesweit wurden Demonstrationen unterbunden, selbst wenn sie sich an die Abstandsregeln hielten (taz 6.4.2020). Schon der Aufruf zu einer Demonstration konnte Verhaftung und Hausdurchsuchung nach sich ziehen (Focus 4.4.2020). Am 16. April wurde ein generelles Demonstrationsverbot vom Bundesverfassungsgericht für illegal erklärt (dw 16.4.2020). Nun aber werden Demonstrationen gegen die Pandemie-Politik und die Aussetzung der Grundrechte von der Polizei aufgelöst, und die Veranstalter angezeigt, weil Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden (t-online 2.8.2020). Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, zeigen die politisch korrekten Anti-Rassismus-Demonstrationen, bei denen das alles anscheinend kein Problem war (Stern 2.6.2020).

Viele Politiker verweigern sich einem konstruktiven Dialog mit Menschen, die sich Sorgen um ihre Bürgerrechte machen und auf die Straße gehen. Sie werden als „Impfgegner“, „Corona-Leugner“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Extremisten“ verunglimpft und pauschal dem rechten Spektrum zugeordnet. Die Medien liefern entsprechende Bilder und eine Berichterstattung, die an die russischen Staatsmedien nach Anti-Putin-Demonstrationen erinnert (Nachdenkseiten 20.5.2020, Tagesschau 1.8.2020).

Man fragt sich, wo Studien sind, die solche Etikettierungen belegen. Vielleicht gehören ja viele dieser Menschen dem Prekariat an, das wir gerade vergrößern: zu den 4 Millionen Langzeitarbeitslosen, Mini-Jobbern und Hartz-IV-Empfängern, zu den Selbstständigen, die Konkurs anmelden müssen oder zu den Alleinerziehenden, die alleingelassen werden – Menschen, die verständlicher Maßen verzweifelt sind, und die wütend sind auf den obszönen Reichtum, mit dem manche meinen, die Wissenschaft, die Medien und die Weltpolitik beeinflussen zu dürfen. Mehrheitlich kommt Opposition aber von Menschen, die einmal aus dem grünen Spektrum kam und sich heute als politisch heimatlos betrachtet. Dies hat jedenfalls die Publizistin Gaby Weber beobachtet und in zahlreichen Interviews am 1.8.2020 in Berlin dokumentiert (Weber 8.8.2020).

Die Skala der Diffamierungen ist offensichtlich nach unten offen: Die Bundesvorsitzende der SPD Saskia Esken beleidigte Demonstranten als „Covidioten“, die Berliner SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sprach von „Irren“ (BZ 2.8.2020).  Agnes Imhof schrieb in der Neuen Züricher Zeitung über die Verunglimpfungen von Demonstranten: „Wer demonstriert noch, wenn er Angst haben muss, als Rechter diffamiert zu werden, nur weil die Falschen mitgelaufen sind? Übrig bleiben dann die tatsächlichen Rechten… Es ist befremdend, dass Demonstrationen nicht als positives Signal einer funktionierenden Demokratie wahrgenommen werden“ (NZZ 4.6.2020).

Eine schlimme Folgen der „Coronakrise“ ist der Vertrauensverlust, den Staat und Staatsorgane durch die immer weiter zunehmenden Verbote und Zwangsmaßnahmen verursachen, die teils mit absurd hohen Bußgeldern, teils mit Polizeigewalt durchgesetzt werden. Bei vielen Betroffenen, zum Großteil junge und engagierte Erwachsene, ist dieser Schaden so schnell nicht wieder gut zu machen. Gerade die Maskenpflicht ist zur gesellschaftlichen Bruchlinie geworden – auf der einen Seite die „Maskenverweigerer“ und Kritiker, die von Geßlerhut sprechen (Rubikon 18.4.2020), auf der anderen Seite die Behörden, die mit Kontrollen und horrenden Strafen reagieren.

Der Schriftsteller und Philosoph Gunnar Kaiser konstatiert in einem Videobeitrag: „Das Problem ist, dass die Maske ein Symbol geworden ist. Die Maske ist ein Symbol für kritiklosen Gehorsam, das Denunzieren von Andersdenkenden, des fraglosen Mitmachens, und damit des gesellschaftlichen Immundefekts… Wären wir eine Gesellschaft, die ihre Galileis und Giordano Brunos und Sokratesse achtet und ehrt, und einen offenen herrschaftsfreien Diskurs ohne Feindschaft, Verleumdung und Moralisierung als unantastbar betrachtet, dann würde ich diese Maske mit Stolz tragen, weil sie für ein Land steht, das sich tatsächlich um die Wahrheit bemüht und ein starkes Freiheits-Immunsystem hat“ (Kaiser 24.7.2020).

Es gab und gibt Versuche, Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit zur Disposition zu stellen, etwa mit der Forderung, es müsse verboten werden, öffentlich unwahre Behauptungen über Ursache, Ansteckungswege, Diagnose und Therapie der Erkrankung Covid-19 zu verbreiten (siehe z.B. SPIEGEL Online 17.3.2020). Soziale Netzwerke wie Facebook, Youtube, Twitter oder Tiktok gehen gegen „Falschinformationen“ vor. „Faktenprüfer“ durchforsten die Plattformen nach nicht genehmen Inhalten und löschen sie, „vertrauenswürdige“ Informationen von Behörden werden bevorzugt behandelt (NZZ 26.3.2020). Der nächste Schritt könnte die Einrichtung eines Orwell’schen Wahrheitsministeriums sein.

In Gefahr ist auch die informationelle Selbstbestimmung. Gesundheitsminister Spahn wollte die Mobilfunkanbieter zur Herausgabe von Daten zu verpflichten, mit denen „mögliche Kontaktpersonen von erkrankten Personen“ ermittelt werden können (ZEIT 30.3.2020). In einem offenen Brief warnten 300 Wissenschaftler vor einer „beispiellosen Überwachung der Gesellschaft“ (SZ 20.4.2020). Die Regierung gab dem öffentlichen Druck und dem Widerstand von Google und Apple nach (SZ 26.4.2020).

Die nächste Idee war ein Immunitätsausweis mit Sonderrechten für die, die geimpft sind oder eine Coronainfektion überstanden haben – eine Impfpflicht durch die Hintertür und der Eintritt in eine gesundheitliche Zweiklassengesellschaft. Dieser Ausweis könnte laut Spahn die Dinge „an vielerlei Stellen“ erleichtern (SZ 30.4.2020). Wer genug Phantasie hat, sich diese vielerlei Stellen auszumalen, wird sich gesagt haben: Auf zur Corona-Party! Auf starken politschen Gegenwind hin hat Jens Spahn den Ethikrat um eine Stellungnahme gebeten und den Plan „vorerst auf Eis gelegt“ (Handelsblatt 4.5.2020). Die SPD lehnt einen Immunitätsausweis ab (Tagesschau 25.6.2020).

Nun ging es aber immer so weiter: Die namentliche COVID-19-Meldepflicht wurde auf „Verdachtsfälle“ ausgeweitet, bei denen dann auch schon behördliche Maßnahmen greifen können. Auch negative Testungen namentlich gemeldet werden – so landet früher oder später jeder in einer Kartei. Nach Auffassung des Bundesbeauftragten für Datenschutz „tragen die vorgesehenen Regelungen der Bedeutung des Datenschutzes als Schutz des Grundrechts der Bürgerinnen und Bürger auf informationelle Selbstbestimmung nicht gebührend Rechnung“ (BFDI 30.3.2020).

Auf EU-Ebene ist ein elektronischer EU-Immunitätsausweis schon in der Pipeline, zusammen mit einem umfassenden elektronischen Impf-Informationssystem. Darin soll für alle Bürger gespeichert werden, wer wann welche Impfung bekommen hat. In der Datenbank kann dann jederzeit der individuellen Impfbedarf festgestellt werden. Die Gesundheitsbehörden bekommen dadurch umfassende und verlässliche Daten über den individuellen Impfstand der EU-Bürger, die sie auch mit anderen elektronischen Gesundheitsdaten verknüpfen können (Häring 9.5.2020; Handbuch der EU-Kommission: ECDC Nov 2018).

Die Europäische Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz warnt eindringlich vor den Gefahren für Bürgerrechte und Datenschutz durch die Coronakrise (EAID 26.3.2020). Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte in der ZEIT: „Es ist beklemmend, was im Augenblick passiert. Wir werden eine massive elektronische Überwachung bekommen“ (ZEIT 30.3.2020). In China wurde die Corona-Pandemie genutzt, um durch Tracing-Apps die Digitaldiktatur noch weiter voranzutreiben. „Ziel ist der vorauseilende Gehorsam der Bürger, die Internalisierung der Kontrolle, die Selbstzensur“ (SZ 15.5.2020).

Die bisherigen Aktivitäten des Gesundheitsministers – Organspendepflicht, Masernimpfpflicht, Abbau von Patietendatenschutz, Corona-App, Immunitätsausweis – lassen tief in die Seele eine autoritären Politikers blicken, der auf Paternalismus, Überwachung und Strafen setzt anstatt auf Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Bürger.

Überzeugte Demokraten widersprechen, wenn zur Abwehr einer Krankheit die Einschränkungen unserer Grundrechte endlos fortgeschrieben und eine „neue Normalität“ heraufgeschworen wird (FAZ 18.4.2020). „Das Grundgesetz mutet uns allen zu, die Verwirklichung solcher Risiken als Kollateralschäden des Freiheitsgebrauchs grundsätzlich hinzunehmen„, schreibt Robert Seegmüller, Vorsitzender des Bundes Deutscher Verwaltungsrichter und -richterinnen (SZ 1.8.2020).

Wir sind eine lebendige Demokratie, und wollen das auch in Zukunft bleiben.

 

Die Corona-Warn-App

Mitte Juni 2020 startete in Deutschland die „Corona-Warn-App„. Download und Nutzung sind freiwillig. Es ist jedoch zu befürchten, dass bei ungenügender Beteiligung – etwa weniger als sechzig Prozent der Bevölkerung – eine Pflichtbeteiligung kommt, oder eine Bevorzugung im öffentlich Raum von denjenigen Personen, die eine solche App auf ihrem Smartphone installiert haben (Prantl 11.6.2020). Auch Firmen könnten auf die Idee kommen, ihre Mitarbeiter oder Kunden zur Nutzung der Corona-App zu verpflichten (Schwenke 17.6.2020). Was fehlt, ist eine gesetzliche Grundlage, durch die die Freiwilligkeit der Corona-App garantiert wird (NZZ 16.6.2020). Es ist unverständlich und macht misstrauisch, dass sich die Regierung dem verweigert.

Ein grundsätzliches und unlösbares Problem stellt die Wirksamkeit der Warn-App in Frage: Sie warnt auch vor Personen, deren Test falschen Alarm gibt oder positiv ausfällt, weil sie inaktive Virusreste im Rachen haben. Das dürften weitaus mehr Menschen sein als tatsächlich infektiöse Virusträger. Und die App warnt selbstverständlich nicht vor Infizierten, die nicht oder falsch negativ getestet wurden.

IT-Experten mehrerer deutscher Universitäten haben bei der Warn-App Sicherheitslücken entdeckt, durch die sich sensible persönliche Daten einsehen und verändern lassen (FAZ 13.6.2020). Auch für eine Gruppe prominenter Gesundheitsexperten wirft die Corona-Warn-App „beunruhigende Fragen“ auf: „Anonymität, Standortbestimmung, Freiwilligkeit, Verhaltensmodifikation, Wirksamkeit und Effizienz – zu allen diesen Aspekten (und weiteren) sind erhebliche Zweifel angebracht“ (Schrappe 29.06.2020). Beim Stichwort Verhaltensmodifikation zählen die Autoren auf: den Zwang zur Registrierung bei Apple bzw. Google, zum Nicht-Ausschalten des Smartphones sowie zur anhaltenden Aktivierung von Kamera, Bluetooth und (Android) Standortfunktionen.

Die NGO digitalcourage und die Ärzteorganisation MEZIS (MEZIS 24.6.2020) raten von der Nutzung der App ab wegen Sicherheitslücken, unzureichendem Patientendatenschutz und fehlendem Begleitgesetz. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow konstatiert ein „Organisationsversagen, was zu einem Datenschutzverstoß führt und damit zu einem weiteren Vertrauensverlust“. Viele positiv Getestete müssten die Hotline des RKI anrufen und ihren Namen und die Telefonnummer durchgeben, damit das Ergebnis in der App berücksichtigt werden könne (ZEIT online 5.8.2020).

Wegen Sicherheitsbedenken und technischen Probleme der App blieb die Beteiligung bisher weit unter den Erwartungen. Auch bei unseren europäischen Nachbarn ist die Corona-Warn-App gefloppt (n-tv 16.6.2020).

 

Wie kann es weitergehen?

Es gibt kreative Konzepte zu gezielten Präventionsmaßnahmen unter Wahrung von Autonomie und Würde der Menschen und ohne den Beigeschmack von Isolation, Zwang oder Strafe (Schrappe 3.5.2020). Wir brauchen dringend politische Beiräte und Kontrollgremien, bestehend aus gesellschaftlich relevanten und betroffenen Gruppen: Psychologen, Pädagogen, Soziologen, Allgemeinmedizinern, Elternverbänden, Gewerkschaftlern, Unternehmern, kulturellen Organisationen, Ethikern, Religionsgruppen etc.

Die unabhängige Stiftung Corona Ausschuss will untersuchen, warum und mit welchem Recht die Bundes- und Landesregierungen beispiellose Beschränkungen verhängt haben, und welche Folgen dies für die Menschen hatte. Sie fördert auch wissenschaftliche Studien auf diesem Gebiet. Über einen Newsletter kann man sich laufend über die Aktivitäten und Anhörungen unterrichten lassen.

In Bayern führt die ÖDP eine Petition zur Corona-Krise durch und fordert eine von Bürgern besetzte Enquetekommission, einen Bürgerrat, der in öffentlichen Hearings die Handlungen der Regierung und deren Folgen zur Coronakrise untersuchen soll.

Herdenschutz ist im Zusammenhang mit der Corona-Krise ein treffendes Wort: Die Aussetzung der Grundrechte und die paternalistische Kommunikation der verantwortlichen Politiker haben uns auf die „nackte physische Existenz“ reduziert (Lepsius 6.4.2020). Wie immer stellt sich jedoch ein kleiner Teil der Herde Fragen und sagt nicht von vornherein: die da oben werden schon wissen, was gut ist für uns. Sie beugen sich weder sozialem Druck noch der Androhung von Strafen, sondern sind der Sauerteig, der dafür sorgt, dass die Demokratie lebendig bleibt.

 

Was einstweilen tun?

Einfach das, was für alle Atemwegsinfekte gilt:

  • Gehen Sie nicht wegen jedem Schnupfen oder Fieber zum Arzt. Bleiben Sie zuhause und rufen Sie erst mal an. Das schützt andere vor Ansteckung, egal mit welchem Virus. In keiner Arztpraxis gibt es genug Räume, um alle Erkrankten zu isolieren. Gehen Sie vor allem bei COVID-19-Verdacht nicht in eine Arztpraxis – sie wird bei einem positiven Virustest für mindestens zwei Wochen geschlossen.
  • Machen Sie möglichst, wenn Sie „erkältet“ sind, keine Besuche –  vor allem wenn dort auch alte Menschen oder Säuglinge sind.
  • Waschen Sie sich oft die Hände mit Seife, vor allem bevor Sie sich ins Gesicht (Auge, Mund, Nase) fassen.
  • Niesen oder husten Sie in ein Taschentuch oder zur Not in die Ellenbeuge. Verzichten Sie auf Händeschütteln.
  • Verzichten Sie bei Fieber auf fiebersenkende Mittel – das schwächt die Abwehr.
  • Bei epidemische Lagen ist es hilfreich, größere Veranstaltungen zu meiden, bei denen sich die Menschen freude- oder alkoholtrunken in den Armen liegen

Speziell zu „Corona“ ein paar Tipps:

  • Wenn Großeltern ihre Kinder oder Enkelkinder sehen wollen, dann sollten Sie ihnen das ermöglichen. Es ist ihre Entscheidung, und es ist verständlich. Wieviel Zeit bleibt ihnen denn noch? Zudem ist es extrem unwahrscheinlich, sich von Gesunden anzustecken: Die Wahrscheinlichkeit ist schon mal gering, dass ein Gesunder zufällig gerade infektiös ist, und selbst Erkrankte stecken meist (zu 85%) nicht einmal ihre Partner nicht an, obwohl sie ständig mit ihm zusammenleben (SZ 21.4.2020). Virustragende Kinder sind überdies nur wenig ansteckend (Focus 22.4.2020). Um das Ansteckungsrisiko auf Null zu bringen, können Sie sich mit den Großeltern im Freien treffen.  Keine Regierung, keine Maßnahme darf Familien auseinanderreißen.
  • Wenn Sie Kinder haben, machen Sie sie nicht auch noch verrückt mit Angst vor anderen Menschen, Abstandsregeln & Co. Beruhigen Sie sie und sagen Sie ihnen beispielsweise, dass es die anderen Leute sind, die Angst haben, sich anzustecken. Ermöglichen Sie Ihrem Kind, wann und wo immer es geht, das gemeinsame Spiel mit anderen Kindern – ohne Masken oder Abstandsregeln.
  • Treten Sie ein für den Erhalt von Bürgerrechten und Demokratie, wo immer Sie sich analog oder virtuell aufhalten (s. Prantl 5.4.2020). Schreiben Sie ihre Meinung auch an Ihre Landtags – und Bundestagsabgeordneten. Beteiligen Sie sich an Demonstrationen für Demokratie und Bürgerrechte (auch wenn die Gefahr besteht, dass diese von Rechten gekapert werden oder von der Presse als Versammlung von Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern dargestellt werden). Es gibt auch Veranstaltungen, die sich explizit von rechten Organisationen abgrenzen – etwa die Freiheitsversammlung in München.
  • Engagieren Sie sich in Initiativen wie „Familien in der Krise“ oder „Eltern in der Krise„. Beteiligen Sie sich an deren Petitionen und Umfragen z.B. die Petition für eine verlässliche Bildungs- und Betreuungssituation und die Umfrage zur Maskenpflicht im Schulen.
  • Seien Sie kritisch bei der elektronischen Überwachung. Es gibt keine sicheren Corona-Warn-Apps.
  • Ergreifen Sie Partei gegen das um sich greifende Denunziantentum.
  • Ein Tipp an alle Raucher: Wieder mal eine gute Gelegenheit, aufzuhören.

Wer mehr wissen will:

Mein Kollege Steffen Rabe führt einen ständig upgedateten Blog zu den Ereignissen und den wissenschaftlichen Diskussionen um SARS CoV-2: Coronoia-Der Blog

Einen guten und verständlichen Überblick aus der Perspektive der ersten „Coronoia“-Tage geben Prof. Dr. Harald Matthes und Dr. Friedemann Schad vom Krankenhaus Havelhöhe in Berlin (Themen der Zeit 13.3.2020).

Einen sehr bedenkenswerten Artikel zur zunehmenden Skepsis gegenüber der Pandemie-Politik schrieb der Rechtswissenschaftler und ehemalige Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof Thomas Fischer (Fischer 27.4.2020).

Wer es gern akustisch und bebildert mag:

Bei Verdacht auf COVID-19-Erkrankung stehen weiterhin folgende Hotlines zur Verfügung:

  • Bundesweit die Notfallnummer 116 117. Auch das Bundesgesundheitsministerium hat ein Bürgertelefon eingerichtet: Tel. 030 346 465 100 (Montag bis Donnerstag 8 -18 Uhr und Freitag 8 -12 Uhr).
  • In Bayern: Landesamt für Gesundheit Bayern: Tel. 09131/6808-5101 oder
  • In München werden Testtermine vereinbart über die Websites https://www.corona-testung.de und https://www.corona-teststelle.de oder beim Gesundheitsamt München Tel. 089/233 47 819 (8:30 – 15:00 Uhr).

Denken Sie daran: Derzeit ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Luftwegsinfekt durch Coronaviren hervorgerufen ist. Bei positivem Testausfall droht eine 14tägige Quantäne.