Die erste Studie zur Frage, ob die HPV-Impfung das Zervikkarzinom verhindern kann, kommt aus Schweden und wurde aus dem dortigen Gesundheitsregister erstellt. Demnach verringert die Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um ca. 60% – oder, in anderen Zahlen ausgedrückt: Eines von Tausend Mädchen profitiert von der Impfung. Der Effekt könnte sogar größer sein, wenn vor dem 17. Geburtstag geimpft wird (Lei et al. NEJM 2020). Das Arznei-telegramm schreibt: „Zwar besteht bei Beobachtungsstudien grundsätzlich die Gefahr von Verzerrungen (Bias), die auch durch Adjustierung nicht vollständig ausgeglichen werden können. Größe des Effekts und biologische Plausibilität sprechen unseres Erachtens aber für einen Schutz der HPV-Impfung auch vor Zervixkarzinomen“ (a-t 2020; 51: 80 Bezahlschranke).

Eine große Übersichtsarbeit aus Dänemark beschäftigt sich mit Nutzen und Risiken der HPV-Impfung (Jørgensen L: Benefits and Harms of the HPV Vaccines). Der Hauptautor Lars Jørgensen wurde dabei unterstützt von den weltweit anerkannten Evidenzmedizinern und Epidemiologen Peter C. Gøtzsche und Thomas Jefferson. Es ist die bisher vollständigste und detaillierteste unabhängige Studie zu diesem Thema, denn den Autoren ist es teilweise gelungen, an die Rohdaten von Herstellerstudien zu kommen (die meisten publizierten Studien geben weniger als die Hälfte der Nebenwirkungen wieder, die in den Rohdaten erfasst sind).

Das Resümee der Autoren lautet: „Es ist letztlich unklar, ob der Nutzen der HPV-Impfstoffe ihre Risiken überwiegt”.

Die systematische Durchsicht von 24 klinischen Studien mit fast 100‘000 Teilnehmern ergab, dass die HPV-Impfstoffe innerhalb von vier Jahren zwar HPV-bedingte Vorstufen von Krebs und entsprechende Behandlungen verringern, aber das Risiko schwerwiegender Störungen des Nervensystems vergrößern.

Nutzen: Die HPV-Impfstoffe führten im Vergleich mit dem Aluminium-Wirkverstärker bzw. einem Hepatitis-Impfstoff zur

  • Verringerung von mittel- und höhergradigen Zellveränderungen (CIN 2+) – wobei die mittelgradigen Veränderungen in 50% der Fälle auch von alleine zurückgehen: 952 Fälle bei HPV-Geimpften vs. 1239 in der Kontrollgruppe.190 Mädchen bzw. Frauen müssen geimpft werden, um einen Fall vonn Zellveränderung zu verhindern.
  • Verringerung von Krebsfrühstadien („Carcinoma in situ“): 367 vs. 490. 387 Mädchen bzw. Frauen müssen geimpft werden, um einen Fall zu verhindern.
  • Entsprechend wurden bei den HPV-Geimpften auch weniger Konisationsbehandlungen durchgeführt: 1081 vs. 1416.

Risiken: HPV-Impfstoffe hatten im Vergleich zum Aluminium-Wirkverstärker bzw. einem Hepatitis-Impfstoff

  • ein höheres Risiko für Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und/oder Muskelschmerzen (Risiko 1: 50),
  • ein höhere Risiko für schwere Störungen des Nervensystems (Risiko 1: 1325), z.B. Bewusstseinsstörungen, Nervenentzündungen, Migräne oder Multiple Sklerose (jeweils weniger als 6 Fälle unter 50‘000 Geimpften),
  • ein höheres Risiko („Risikosignal“) für das chronische regionale Schmerzsyndrom CRPS1) und das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom POTS2) (Risiko jeweils etwa 1: 1000) – diese beiden schweren Störungen waren in den Studien nicht als eigenständige Diagnose gelistet.

Bereits bekannte Nebenwirkungen der HPV-Impfstoffe sind anaphylaktische Reaktionen und Ohnmacht. In Fallserien wird auch auf einen möglichen Zusammenhang mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom, der Lähmungserkrankung Guillain-Barré-Syndrom und vorzeitigem Eierstockversagen (Ovarialinsuffizienz) hingewiesen. Der neuere Impfstoff Gardasil 9 führt zu 8 % mehr Allgemeinreaktionen und 30 % mehr schweren Nebenwirkungen (3,2 % vs. 2,5 %) als der frühere Impfstoff Gardasil.

Die Autoren stellen in den HPV-Impfstudien folgende Mängel fest, die eine Beurteilung erschweren:

  • Bei der Hälfte der registrierten HPV-Impfstudien wurden die Ergebnisse nicht veröffentlicht, mehr ein Drittel der Studien ist nicht in medizinischen Zeitschriften erschienen.
  • Es war sehr schwierig und teilweise unmöglich, an die Rohdaten der Studien zu kommen; vor allem die europäische Zulassungsbehörde EMA war wenig kooperativ.
  • Alle veröffentlichten Studien zeigen ein hohes Risiko für Verzerrungen (Bias) im Studiendesign. Sie sind darauf angelegt, den Nutzen der Impfstoffe zu belegen, und nicht, eventuelle Risiken aufzudecken. Bei 72% der Studienteilnehmer wurden schwere Nebenwirkungen unvollständig protokolliert. Das Studienmaterial enthält zahlreiche Schwärzungen, und oft fehlen signifikante Teile.
  • In den Kontrollgruppen erhielten 99 % der Studienteilnehmer kein echtes Plazebo, sondern ein aktives Vergleichsmedikament – entweder den aluminiumhaltigen Wirkungsverstärker des HPV-Impfstoffs oder Hepatitis-Impfstoffe mit demselben Wirkungsverstärker. Dadurch rechnen sich Nebenwirkungen heraus, die durch den Wirkungsverstärker verursacht werden. Die Hälfte der Studienteilnehmer wurde nur zugelassen, wenn sie noch nie den aluminiumhaltigen Wirkungsverstärker erhalten hatten – obwohl die Hersteller behaupten, die Aluminiumverbindung sei sicher.

Hierzu hörens- und sehenswert ein Interview mit Peter Gøtzsche im SWR

Der Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfung wirft noch mehr Fragen auf, wenn man berücksichtigt, dass durch Nichtrauchen und Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung (und gfls. Behandlung von Krebsvorstufen) das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, sehr stark reduziert wird, während für schwere Impfnebenwirkungen wie CRPS (1) oder POTS (2) Therapieoptionen fehlen.

Auch britische Wissenschaftler der Newcastle University und Queen Mary University in London (Rees 2020) zweifeln die Impfstudien der Hersteller an und kommen zu dem Ergebnis, das sie in ihren Designs große Fehler aufweisen (3). Sie fordern nationale Wirksamkeitsstudien ohne Industriefinanzierung, die sich auf klinisch sinnvolle Ergebnisse konzentrieren.

 

1) CRPS (chronisches regionales Schmerzsyndrom): Chronische neurologische Krankheit mit lokalisierten oder diffusen Schmerzen, Muskelschwäche und Bewegungseinschränkung bis hin zu Gelenkversteifung und Osteoporose

2) POTS (posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom): Chronische Kreislaufschwäche im Stehen, mit Pulsanstieg und Übelkeit bis hin zum Kollaps.