Die Massenflucht, die wir derzeit erleben, wird nicht so schnell abebben, sie ist der „Vorbote einer neuzeitlichen Völkerwanderung“. Die meisten Flüchtlinge kommen aus destabilisierten Regionen, in denen Kriege toben oder getobt haben: aus Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia, Eritrea und dem ehemaligen Jugoslawien. An der Mehrzahl dieser Kriege sind oder waren die USA und ihre Verbündeten beteiligt, bei allen spielen Waffen aus Deutschland, dem viertgrößten Waffenexporteur der Welt, eine Rolle. Ich sehe uns deshalb umso mehr in der moralischen Pflicht, diese Flüchtlinge aufzunehmen – und unsere Außen- und Exportpolitik zu modifizieren.

Die Flüchtlinge sind mehrheitliche junge Leute, die stark genug sind, die schweren und riskanten Bedingungen einer langen Flucht auf sich zu nehmen. Bei der Ankunft hier in Deutschland sind sie zwar körperlich geschwächt, aber leiden nur sehr selten unter ansteckenden Krankheiten. Gleich nach Ankunft werden sie auf Tuberkulose, HIV, Hepatitis B und Darminfektionen untersucht und gegebenenfalls behandelt. Außerdem werden sie gegen die wesentlichen Infektionskrankheiten geimpft.

Von Flüchtlingen geht kein gesundheitliches Risiko aus. Es ist bisher kein einziger Fall der Übertragung etwa von Kinderlähmung oder Diphtherie vorgekommen. Eher werden die Flüchtlinge durch ansteckende Krankheiten bei uns gefährdet, etwa Masern oder Windpocken, die vor allem für Erwachsene gefährlich sein können. Wer mit Flüchtlingen arbeitet, sollte daher gegen solche Krankheiten immun sein.

Das größte gesundheitliche Problem der Flüchtlinge sind die psychischen Verletzungen durch Krieg und Flucht. Viele waren Opfer von Gewalttaten oder haben enge Angehörige verloren. Die Lebensumstände in den Flüchtlingslagern und Notunterkünften und die Gefahr fremdenfeindlicher Angriffe tun ihr Übriges, um ihnen das Leben schwer zu machen. Wir sollten ihnen das Gefühl vermitteln, bei uns willkommen zu sein.