Bei jedem Masernausbruch werden populistische Forderungen nach einer Impfpflicht laut, unterfüttert mit Argumenten, die in den Bereich des postfaktischen gehören: Es wird bei uns nicht, wie oft  behauptet, weniger geimpft, sondern immer mehr. Die Masern nehmen nicht zu, wie oft behauptet, sondern schwanken von Jahr zu Jahr, mit einer Tendenz zur Abnahme der Erkrankungsfälle. In den ersten drei Monaten 2019 gab es weniger Meldungen als im Vergleichszeitraum der Jahre 2017 oder 2015.

Bei Kleinkindern, die von einer Impfpflicht betroffen wären, liegt die Impfquote über 97%, zumindest für die erste Impfung. Masern ist heute vor allem eine Krankheit der über 10jährigen, der Jugendlichen und Erwachsenen. Die Impfraten in Deutschland liegen über denen in europäischen Ländern mit Impfpflicht. Schuld an den wiederholten Masernausbrüchen in Osteuropa sind in erster Linie Krieg (Ukraine) und Diskriminierung (der Roma in Serbien, Rumänien, Bulgarien).

Gerade bei medizinischen Maßnahmen steht es einer Demokratie gut an, zu überzeugen statt zu maßregeln. Die unselige jüngere deutsche Geschichte und die Nazi-Medizin waren die Gründe dafür, dass schon im zweiten Paragraphen unseres Grundgesetzes die körperliche Unversehrtheit und die Freiheit der Person garantiert wurden. Auch die UNESCO hat 2005 einstimmig formuliert: „Jede präventive, diagnostische und therapeutische medizinische Intervention hat nur mit vorheriger, freier und nach Aufklärung erteilter Einwilligung der betroffenen Person auf der Grundlage angemessener Informationen zu erfolgen“. Ausnahmen müssen da sehr gut begründet sein und sind nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz nur Infektionskrankheiten mit häufig lebensbedrohlichen Verläufen möglich, die sich epidemieartig ausbreiten. Das sind die Masern nicht.

Die Gesundheitsbehörden haben sich eine gewisse Impfskepsis in der Bevölkerung selbst zuzuschreiben: Seit Jahrzehnten nehmen sie jeden neu entwickelten Impfstoff in den Impfkalender auf, ohne Wirksamkeit und Sicherheit unabhängig überprüfen zu lassen, und sehen tatenlos zu, wie nach und nach die Einzelimpfstoffe – auch die gegen Masern und Röteln – vom Markt verschwinden. Viele Kinderärzte bieten nur noch Großgebinde an. Damit ist eine individuelle Entscheidung zur Impfung etwa nur gegen Masern nicht mehr möglich. Der gesetzliche Zwang, gegen Masern zu impfen, würde auch die Impfpflicht gegen die harmlosen Kinderkrankheiten Mumps und Röteln einschließen. Da scharren die Verfassungsrichter schon mit den Hufen!

Meiner Erfahrung nach sind nach einem verständnisvollen Aufklärungsgespräch fast alle impfskeptischen Eltern bereit, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen.

Bitte lesen Sie hier die Presseerklärung der Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V., bei denen ich Mitglied bin. Und unterschreiben Sie die Petition dieses Vereins gegen eine Impfpflicht: https://www.individuelle-impfentscheidung.de/petition