Keuchhusten ist eine im Grunde harmlose, aber unangenehme Krankheit:

  • Der Husten dauert durchschnittlich sechs Wochen und führt bei manchen Patienten auch zu Erbrechen
  • die ersten drei Wochen ist er ansteckend; da die Diagnose meist erst in der zweiten Woche gestellt wird, muss das Kind 1 – 2 Wochen zu Hause betreut werden
  • gelegentlich gibt es Komplikationen wie Lungen- oder Ohrenentzündung
  • manchmal bleibt über Monate ein Husten bei körperlicher Anstrengung zurück

Das Hauptproblem des Keuchhustens sind die Erkrankungen voni Säuglingen in den ersten 3 – 4 Lebensmonaten. Fast alle Keuchhustenkomplikationen (Lungenentzündung, Erschöpfung der Atmung während eines Hustenanfalls, Hirnbeteiligung) ereignen sich in dieser Lebensphase. Es gibt sogar Todesfälle – einer von 1‘000 bis 10‘000 an Keuchhusten erkrankten jungen Säuglinge stirbt daran.
Das war der Grund für die Einführung der Impfung: Geimpfte ältere Geschwister würden seltener den Keuchhusten mit nach Hause bringen. Wegen der unzuverlässigen und kurzen Wirkung der Impfung geht die Rechnung oft nicht auf: In Australien zum Beispiel sind geimpfte Geschwisterkinder nach wie vor der häufigste Grund für die Ansteckung eines Säuglings (Bertilone 2014).

Die Impfstrategen sind daher am Herumtüfteln, wie man die Säuglinge besser schützen kann.

  • Kokon-Strategie (= Impfung weiterer naher Kontaktpersonen z.B. Eltern, Großeltern, Tagesmutter etc.): Enge Kontaktpersonen – allen voran die Mutter – sind für ein bis zwei Drittel der Keuchhustenfälle bei jungen Säuglingen verantwortlich. Man muss jedoch rein rechnerisch mehr als 5000 Kontaktpersonen impfen, um einen Keuchhustenfall bei einem Säugling zu verhindern, 10’000 – 60‘000 zur Verhinderung einer Krankenhausaufnahme und 1 – 12 Millionen (!) zur Verhinderung eines Todesfalls (s. Lim 2014, Gilly 2014). Doch diese Zahlen entsprechen wahrscheinlich noch nicht einmal der Realität: Auch Geimpfte können Keuchhustenbakterien in sich tragen und ausscheiden (Warfel 2014). Die Übertragung auf einen Säugling ist dann unter Umständen sogar noch wahrscheinlicher, weil der Keimträger sich nicht krank fühlt und daher keinen Abstand wahrt (Althouse 2015). Die Kokon-Strategie wird daher von vielen Experten als gescheitert erklärt, auch wenn die Impfkommission sie weiterhin verfolgt. Meiner Erfahrung nach vertragen nicht nur Kinder, sondern auch  Erwachsene die Keuchhustenimpfung eher schlecht: Viele bekommen Fieber und haben eine Krankheitsgefühl über mehrere Tage.
  • Keuchhustenimpfung während der Schwangerschaft (nach der 30. SSW): Durch den Übertritt der Keuchhustenantikörpern über die Plazenta könnte der Säugling auch vor Zufallskontakten mit Keuchhusten geschützt werden, die etwa ein Drittel der Infektionsfälle ausmachen (s. MMWR 2012). Diese Strategie ist billiger als die Kokonstrategie, aber in ihrer Wirksamkeit umstritten. Es gibt auch Risiken für den Fötus: In einer US-amerikanischen Studie wurden bei Geimpften signifikant häufiger Entzündungen der Eihaut (Amnioninfektion) festgestellt, die für das Neugeborene lebensbedrohlich sein können (Kharbanda 2014). Auch könnte das Aluminium im Impfstoff beim Fötus zu neurologischen und immunologischen Nebenwirkungen führen.
  • Impfung des Neugeborenen: Diese Strategie ist in ihrer Effektivität unklar und hat den Nachteil, dass das Kind auf spätere Keuchhusten-, Hib- und Hepatitis-B-Impfungen mit niedrigeren Antikörperspiegeln reagiert.

Was also tun?
Es bleibt nichts übrig, außer noch eine weitere Botschaft im sowieso schon übersättigten Risikobewusstsein zu speichern:

  • Eltern sollen sich auf Keuchhusten testen lassen, wenn sie einen ungewöhnlich hartnäckigen Reizhusten haben, der aus dem Bereich zwischen Kehlkopf und Brustbein kommt und sich nicht unterdrücken lässt.
  • Krippen- oder Kindergartenkinder sollen getestet werden, wenn sie husten und in der Einrichtung Keuchhustenfälle aufgetreten sind.
  • Eltern junger Säuglinge sollten verhindern, dass ihr Kind auf kurze Distanz angehustet wird. Jeder Husten beim Säugling ist lästig, und Keuchhusten besonders.

Die Diagnose Keuchhusten kann durch einen Nasenabstrich innerhalb von ein bis zwei Tagen gesichert werden. Ist es Keuchhusten, kann man die Übertragung auf das Baby durch eine antibiotische Behandlung – sicherheitshalber der ganzen Familie – verhindern.

Martin Hirte 4.7.2015